Autor: ek

Fiat G.46

Fiat G.46
Der am 10. Februar 1947 in Paris unterzeichnete Friedensvertrag zwischen den Alliierten Mächten und Italien erlaubte Italien wieder Luftstreitkräfte zu besitzen. Allerdings bestimmte der Artikel 64 Absatz 1 ganz genau deren Größe und Verwendung. Erlaubt waren 200 Jagd- und Aufklärungsflugzeuge, die als einzige bewaffnet sein durften und 150 weitere Flugzeuge für Transport- Seenotrettungseinsätze und zu Ausbildungszwecken. Der Absatz 2 verbot Italien den Besitz jeglicher Bombenflugzeuge. Im Artikel 65 wurde die Personalstärke der Luftstreitkräfte auf 25.000 Mann festgeschrieben, darin waren Kampf-, Boden- und allgemeines Personal enthalten. Da für die Ausbildung der neuen italienischen Luftstreitkräfte kein geeignetes Flugzeug zur Verfügung stand, begann man bei Fiat ohne Auftrag bereits Anfang 1947 mit der Entwicklung eines modernen Schulflugzeuges, das auch als Verbindungsflugzeug verwendet werden konnte. Die Konstruktionsleitung übernahm Fiats bekanntesten Flugzeugkonstrukteur Giuseppe Gabrielli, der bereits während des zweiten Weltkrieges die Jagdflugzeuge Fiat G.50, G.55 und G.56 entwickelt hatte. Allerdings hätte Fiat die Entwicklung der neuen Maschine, die jetzt offiziell als G.46 bezeichnet wurde, aus eigenen Mitteln nicht bewältigen können, hätte nicht Argentinien bei Fiat nach Bekanntwerden des Projekts 70 Maschinen vom Reißbrett weg bestellt und auch bereits eine Teilzahlung dafür getätigt. Die italienische Regierung bestellte schließlich über das neue Beschaffungsamt im Verteidigungsministerium 25 G.46 Maschinen.
Fiat G.46 (Archiv: Eberhard Kranz)
Konstruktionsmerkmale Fiat G.46
Die G.46 war als zweisitziger Tiefdecker in Ganzmetallbauweise mit einziehbarem Hauptfahrwerk und einem Heckrad ausgelegt. Die allgemeine Form lehnte sich stark an die Gabrielli Flugzeuge G.55 und G.56 an. Als Triebwerk hatte man den Alfa Romeo 115 Flugzeugmotor, eine ursprüngliche Lizenzfertigung des de Havilland Gipsy Six, vorgesehen. Der Motor, ein luftgekühlter hängender Sechszylinder, hatte eine Startleistung von 195 PS (143,4 kW). Da aber viele modifizierte Teile verbaut wurden, verlangte Argentinien die Verwendung des originalen de Havilland Gipsy Queen Motors, der auch über ein Mehr an Leistung verfügte und vor allem in Argentinien häufig verwendet wurde. Der Rumpf, der einen schlanken ovalen Querschnitt hatte, war bis zum Hauptholm in Ganzmetall-Halbschalenbauweise ausgeführt und wurde ab dem Hauptholm sogar als Ganzschale gebaut. Die Pilotenkabine bot zwei Sitze in Tandemanordnung und war mit Doppelsteuerung ausgestattet, wobei der Platz des Flugschülers sich vorn befand. Der Motorraum war durch ein Brandschott von der Kabine getrennt. Das Brandschott stand auf dem Hauptholm und übertrug die Fahrwerkskräfte auf den Rumpf. Nach hinten ging die Pilotenkabine, deren Verglasung zum Betreten und Verlassen der Kabine seitlich wegklappbar war, in den Rumpf über, was die Sichtverhältnisse nach Hinten stark einschränkte, so dass man mit Rückspiegeln und sogar einem Periskop experimentierte. Im hinteren Rumpf, hinter der Pilotenkabine, war der Tank mit einem Fassungsvermögen von 360 Litern untergebracht. Der Tragflügel war dreiteilig ausgeführt, das Tragflächenmittelstück war organisch mit dem Rumpf verbunden und nahm das Hauptfahrwerk auf, das hydraulisch zum Rumpf hin, eingefahren wurde. Die Außenflügel hatten eine leichte V-Stellung und trugen je eine Landeklappe und ein stoffbespanntes Querruder. Unter dem Flügelmittelstück waren zwei weitere Landeklappen angebracht. Der gesamte Tragflügel war zweiholmig aufgebaut und verfügte an der Flügelnase über eine Enteisungseinrichtung auf thermischem Prinzip. Das Höhenleitwerk war eine freitragende Ganzmetallkonstruktion, lediglich die aerodynamisch ausgeglichenen Höhenruder waren stoffbespannt. Das trapezförmige Seitenleitwerk ragte weit über den Rumpf hinaus, das Seitenruder war ebenfalls stoffbespannt. Das robuste Hauptfahrwerk war ölgedämpft und die Haupträder wurden hydraulisch gebremst. Im eingefahrenen Zustand waren die Fahrwerksschächte komplett abgedeckt. Das nichteinziehbare Spornrad verfügte ebenfalls über eine ölhydraulische Dämpfung und war um 120 Grad schwenkbar.
Fiat G.46 (Archiv: Eberhard Kranz)
Erstflug und Erprobung des Fiat G.46
Mitte Mai 1947 war der Prototyp G.46 B mit einem Alfa Romeo 115 mit 180 PS Startleistung fertiggestellt. Nach der Bodenerprobung fand am 25. Juni 1947 in Turin der Erstflug statt. Pilot war einer der erfahrensten italienischen Testpiloten, Vittore Catella. Die Flugerprobung zeigte, dass die neue Maschine über sehr gute Flugeigenschaften verfügte und alle Voraussetzungen für ein Schulflugzeug mitbrachte. Die Serienfertigung begann man mit der Serie G.46-1B für die italienischen Luftstreitkräfte. Vom Prototyp unterschieden sich die Serienmaschinen nur durch die Verwendung des leistungsgesteigerten Motors Alfa Romeo 115 bis. Am 2.Februar 1948 startete das erste Flugzeug mit dem de Havilland Gipsy Queen Motor und der MG Bewaffnung der argentinischen Bestellung. Diese Serie erhielt die Bezeichnung G-46-2B. Am 15. Oktober 1948 startete die erste Maschine der Serie G.46-3B, die sich von der 1b durch die Verwendung des nochmals in seiner Leistung verbesserten Alfa Romeo 115 ter unterschied. Fiat bot auch die Umrüstung der schon gefertigten G.46-1b auf den 3b Standard an. Ab 1951 wurde die G.46-4B in Serie gebaut, der Motor war als Alfa Romeo 115 ter-1 noch einmal in seiner Leistung gesteigert worden. Vom Navigationstrainer G.46-5B wurde nur eine Maschine gebaut. Eine kleine Anzahl der Serien 3B und 4b wurden als Einsitzer gefertigt, die als G.46-3A und 4A bezeichnet wurden.
Fiat G.46 (Archiv: Eberhard Kranz)
Einsatz des Fiat G.46
Mitte 1952 lief nach der Fertigung von 223 Exemplaren der Bau der G.46 aus. Die Maschinen flogen in Argentinien, insgesamt 48 Exemplare, Österreich 5 Exemplare und Syrien 42 Exemplare, die teilweise von den italienischen Luftstreitkräften übernommen wurden. Diese nahmen insgesamt 150 Fiat G.46 aller Serien in Dienst. Bereits ab 1956 begann man mit der Ausmusterung der Maschinen, die dann teilweise nach Syrien gingen oder an private Aeroclubs verkauft wurden, wo sie wegen ihrer guten Eigenschaften, besonders im Kunstflug, begehrt waren. In Argentinien blieben die G.46 bis 1961 im Dienst, in Österreich sogar bis 1965, während Syrien, auch wegen des Suezkonfliktes 1956 bereits ab 1958 abgeflogene Maschinen außer Dienst stellte.
Fiat G.46 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Fiat G.46-4B
Land: Italien
Verwendung: Schul- und Verbindungsflugzeug
Triebwerk: ein luftgekühlter hängender Sechszylinder Reihenmotor Alfa Romeo 115ter mit verstellbarem Zweiblatt-Metall-Propeller Hamilton Standard
Startleistung: 215 PS (158 kW)
Dauerleistung: 185 PS (136 kW) in 3.000 m
Besatzung: 2 Mann
Erstflug: 25. Juni 1947
Spannweite: 10,40 m
Länge: 8,48 m
größte Höhe: 2,40 m
Spannweite Höhenleitwerk: 4,22 m
Propellerdurchmesser: 2,60 m
Propellerfläche: 5,31 m²
Spurweite: 3,54 m
Flügelfläche: 16,00 m²
V-Form: Außenflügel +5°
Flügelstreckung: 6,76
Massen: TBD
Leermasse: 1.080 kg
Startmasse normal: 1.360 kg
Startmasse maximal: 1.465 kg
Tankinhalt: 360 Liter
Flächenbelastung: 91,56 kg/m²
Leistungsbelastung: 6,81 kg/PS (9,26 kg/kW)
Leistungen: TBD
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 300 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 4.500 m: 312 km/h
Marschgeschwindigkeit in 3.500 m: 276 km/h
Landegeschwindigkeit: 115 km/h
Gipfelhöhe: 6.050 m
Steigleistung: 4,8 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 3,5 min
Steigzeit auf 5.000 m: 20,0 min
Reichweite normal: 500 km
Reichweite maximal: 620 km
Flugdauer: 2,25 h
Bewaffnung: Die für Argentinien gefertigten Maschinen der Serie G.46-2B hatten ein 7,62 mm Maschinengewehr Browning 0.3 im Rumpfbug eingebaut
Bombenlast: keine
Text: Eberhard Kranz

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