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FVM J 23

FVM J 23
Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts benötigten die schwedischen Jagdfliegerverbände Ersatz für die im Einsatz befindlichen Fokker D.VII, die ziemlich abgeflogen waren. Die Ausschreibung der schwedischen Luftwaffe richtete sich auch an die einheimische Luftfahrtindustrie, die nur aus wenigen Kleinbetrieben bestand, die meist ausländische Modelle in Lizenz fertigten. Im Sommer 1922 begann die Firma Flygkompaniets Verkstader at Malmen AB, die insgesamt über 40 Mitarbeiter verfügte, sich mit der Entwicklung eines Jagdflugzeuges entsprechend der Ausschreibung zu beschäftigen. Die beiden leitenden Ingenieure Henry Kjellson und Ivar Maimer orientierten sich an prinzipiell an der Fokker D VIII, die ab September 1918 in wenigen Exemplaren noch zur deutschen Jagdstaffeln gelangte.
FVM J 23 (Archiv: Eberhard Kranz)
Hauptkonstruktionsmerkmale FVM J 23
Ihr Entwurf sah einen in Holzbauweise gefertigten abgestrebten Hochdecker mit festem Heckspornfahrwerk vor. Als Antrieb wollte man die in Schweden in beträchtlicher Anzahl vorhandenen wassergekühlten Sechszylinder Reihenmotoren BMW IIIa verwenden. Der Rumpf mit einem ovalen Querschnitt bestand aus Holzspanten, die durch hölzerne Längsträger miteinander verbunden waren. Die Beplankung waren 1,5 mm starke Sperrholzplatten, die im feuchten Zustand formgepreßt wurden und somit eine mittragende Funktion übernahmen. Der Rumpfbug trug einen großen Stirnwabenkühler, ähnlich der Fokker D VII. Der offene Pilotensitz war hinter der Tragfläche angebracht, die an der Hinterkante eine geschwungene bogenförmige Aussparung besaß, um die Sicht nach oben zu verbessern. Als Bewaffnung waren über dem Motor, der seine Abgasrohre nur an der rechten Seite hatte, zwei synchronisierte 8 mm Maschinengewehre m/22 mit je 1.050 Schuß eingebaut. Der Tank befand sich zwischen dem Motor, der durch ein Brandschott vom weiteren Rumpf getrennt war und Pilotensitz. Das Seitenleitwerk hatte eine elliptische Form und war ebenfalls mit Sperrholz verkleidet. Lediglich das Seitenruder mit am Boden verstellbarer Trimmklappe war als Holzkonstruktion ausgeführt, die mit Leinwand bespannt war. Die einteilige freitragende Höhenflosse, ebenfalls eine sperrholzverkleidete Holzkonstruktion, lag auf dem Rumpfheck auf und trug leinwandbespannte Höhenflossen. Der Grundriss der Höhenflosse war halbkreisförmig. Die einteilige Tragfläche bestand aus zwei durchgehenden Längsholmen, die die Rippen trugen. Die Verkleidung bestand aus formgepreßten Sperrholz von 1 mm Stärke, lediglich die Querruder waren mit Leinwand bespannt. Der Tragflügel ruhte auf zwei N-förmigen Stützböcken über dem Rumpf und war zum Rumpf hin mit jeweils zwei kräftigen I-Stielen aus Stahlrohr mit aerodynamisch geformtem Querschnitt abgestützt. Auf der Oberseite der linken Tragflächehälfte war der Ölkühler angebracht. Die Anschlüsse der I-Stiele trugen gleichzeitig die Fahrwerksbeine an denen die durchgehende Achse mit den beiden Hauptfahrwerksrädern montiert war. Die Achse war mit einem Hilfsflügel verkleidet, der zusätzlichen Auftrieb erzeugte. Gummifedern dämpften die Landestöße ab. Die Fahrwerksbeine waren zusätzlich noch mit Stahldraht kreuzförmig verspannt.
FVM J 23 (Archiv: Eberhard Kranz)
Erprobung und Einsatz der FVM J 23
Nachdem die Führung der schwedischen Jagdflieger den Entwurf gründlich geprüft hatte, wurde eine Bestellung über fünf Exemplare, die die Bezeichnung J 23 erhielten, erteilt. Das erste Exemplar war im Mai 1923 fertiggestellt und startete Anfang Juni 1923 zu seinem Erstflug, wobei eine Hecklastigkeit festgestellt wurde, die durch eine Verlängerung des Rumpfes beseitigt wurde, Bis Anfang August 1923 waren alle fünf Maschinen fertiggestellt und wurden auf der International Air Exhibition, die vom 4. bis 12. August 1923 in Göteborg stattfand, ausgestellt und auch im Flug vorgeführt. Am 15. Marz 1924 verlor ein Exemplar während der militärischen Erprobung im Flug die Tragfläche und stürzte ab. Dabei verlor der Pilot Axel Norberg sein Leben. Daraufhin wurde die Tragflächenbefestigung verstärkt, aber nach nur kurzer Einsatzzeit wurden die vier Maschinen aus dem aktiven Dienst genommen und für die Ausbildung von zukünftigen Piloten uns Technikern als statische Übungsobjekte verwendet.
FVM J 23 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: FVM J 23
Land: Schweden
Verwendung: Jagdflugzeug
Triebwerk: ein wassergekühlter Sechszylinder?Reihenmotor BMW IIIa mit starrem Zweiblatt-Holzpropeller
Startleistung: 185 PS (136 kW)
Dauerleistung: 160 PS (118 kW) in 2.000 m
Besatzung: 1 Mann
Erstflug: Juni 1923
Spannweite: 12,24 m
Länge: 6,91 m
größte Höhe: 2,55 m
Spannweite Höhenflosse: 2,88 m
Spurweite: 1,78 m
Propellerdurchmesser: 2,80 m
Propellerfläche: 6,16 m²
Flügelfläche: 18,1 m²
V-Form:
Flügelstreckung: 8.28
Leermasse: 772 kg
Startmasse normal: 985 kg
Startmasse maximal: 1.055 kg
Tankinhalt maximal: 90 Liter
Schmierstofftank: 23 Liter
Flächenbelastung: 58,29 kg/m²
Leistungsbelastung: 5,70 kg/PS (7,75 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 188 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 2.000 m: 198 km/h
Marschgeschwindigkeit in 2.000 m: 165 km/h
Gipfelhöhe: 5.850 m
Steigleistung: 5,4 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 3,25 min
Steigzeit auf 3.000 m: 12,5 min
Reichweite normal: 330 km
Reichweite maximal: 420 km
Flugdauer: 2,75 h
Startstrecke: 380 m
Landestrecke: 400 m
Bewaffnung: Zwei synchronisierte 8 mm Maschinengewehre m/22 mit je 1.050 Schuss.
Text: Eberhard Kranz

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