Autor: ek

Dobi III

Dobi III
Nach dem es nach dem Ende des ersten Weltkrieges und den Folgen der Revolution in Russland zur Bildung der unabhängigen baltischen Staaten Finnland, Estland, Lettland und Litauen gekommen war, begann auch dort die Entwicklung einen eigenen nationalen Luftfahrtindustrie. In Litauen begann sich ab 1922 der Konstrukteur Jurgis Dobkevicius, der seine Ausbildung und erste Erfahrungen mit der Entwicklung und Herstellung von Flugzeugen in Frankreich gesammelt hatte, mit einer neuen Tragflächenform zu beschäftigen. Seit 1920 hatte er zwei konventionelle Flugzeuge, die Dobi I und Dobi II entwickelt und je nur ein Exemplar davon gebaut, wobei die Dobi II ein Jagdflugzeug mit einem Sechszylinder-Reihenmotor BMW IIIa war.
Schon während seines Studiums hatte er sich mit den verschiedensten Tragflügelformen beschäftigt und erste Versuche in einem primitiven Windkanal durchgeführt. Dabei untersuchte er auch verschieden gepfeilte Tragflügelvorderkanten und fand heraus, dass eine Art Sichelflügel die besten Auf- und Vortriebswerte ergab.
Ende 1922 beschloss er, diese Tragflügelgeometrie bei einem neuen Jagdflugzeugprojekt umzusetzen.
Nachdem Modellversuche die Richtigkeit seiner Idee bestätigt hatten, begann er die Dobi III zu entwickeln.
Das Flugzeug war ein Schulterdecker in Ganzholzbauweise. Der Rumpf hatte einen ovalen Querschnitt und lief zum Heck hin fast spitz aus. Das Seitenleitwerk, ebenfalls eine Holzkonstruktion war freitragend. Ungewöhnlich war das Höhenleitwerk, das nur aus den Rudern bestand, die als Ganzes über Seilzüge bewegt wurden.
Das Fahrwerk mit durchgehender Achse war von einer Fokker D-VII entlehnt und mit zwei I-Streben zur Rumpfmitte hin zusätzlich abgestrebt.
Das
eigentlich Neue war der Tragflügel, der von der Flugzeugnase als Pfeiflügel mit einem Pfeilwinkel von 35 ° an der Flügelnase und 20 ° an der Flügelhinterkante begann, dann einen charakteristischen Knick auf wies, der durch die Änderung des Pfeilwinkwels auf 8° an der Vorderkante und -10° an der Hinterkante entstand, so dass die Außenflügel einem schlanken Trapezflügel bildeten.
Über die gesamte Tragflügellänge waren Ruder und Landeklappen angebracht. Die Maschine war zum größeren Teil mit Sperrholz verkleidet, das Rumpfheck, das Leitwerk und sämtliche Ruder waren stoffbespannt.
Der Tragflügel lag auf der Motorverkleidung und dem Rumpf auf. Zum Rumpf hin war er mit zwei kurzen I-Stielen abgestrebt.
Der offene Pilotensitz war hinter dem Tragflügel angebracht. Die Bewaffnung von zwei Maschinengewehren war auf dem Rumpf zwischen den Tragflächenwurzeln angebracht.
Der Bau der Maschine schritt nur langsam voran, da Dobkevicius die einzelnen Teile bei Handwerkern und kleinen holzverarbeitenden Werkstätten in Kaunas fertigen ließ. Die Endmontage führte er ab dem Sommer 1924 zusammen mit zwei Mitarbeitern in einem ausgedienten Hangar auf dem Flugplatz Kaunas selbst durch. Im November 1924 startete Jurgis Dobkevicius mit der Dobi III zum Erstflug.
Bei der weiteren Erprobung zeigte die Maschine hervorragende Flugeigenschaften und es schien sich ein wirtschaftlicher Erfolg abzuzeichnen, denn die neugegründeten litauischen und lettischen Fliegerkräfte zeigten großes Interesse an der ungewöhnlichen Maschine.
Am 7.Juni 1926 streifte Jurgis Dobkevicius beim Landeanflug mit der Dobi III die Bäume am Flugplatzrand. Die Maschine stürzte aus geringer Höhe ab. Für den Piloten kam jede Hilfe zu spät.
Dobi III (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Dobi III
Verwendung: Jagdflugzeug
Baujahr: 1924
Besatzung: 1 Mann
Triebwerk: ein flüssigkeitsgekühlter stehender Sechszylinder-Reihenmotor BMW IIIa mit festem Zweiblatt-Holz-Propeller
Startleistung: 185 PS (137 kW)
Dauerleistung: 152 PS (112 kW) in 3.000 m
Spannweite: 12,50 m
Länge: 6,40 m
größte Höhe: 2,45 m
Propellerdurchmesser: 2,20 m
Propellerfläche: 3,81 m²
Spurweite: 1,98 m
Flügelfläche: 22,24 m²
V-Form: +1,33°
Flügelpfeilung: Innenflügel an der Flügelnase 35°, Außenflügel an der Flügelnase 8°
Streckung: 7,03
Leermasse: 712 kg
Startmasse normal: 1.045 kg
Startmasse maximal: 1.160 kg
Tankinhalt: 180 Liter
Flächenbelastung: 52,16 kg/m²
Leistungsbelastung: 6,27 kg/PS (8,51 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 230 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 3.000 m: 252 km/h
Marschgeschwindigkeit in 3.000 m: 190 km/h
Landegeschwindigkeit: 85 km/h
Gipfelhöhe: 9.000 m
Steigleistung: 3,6 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 5,0 min
Steigzeit auf 3.000 m: 19,5 min
Reichweite normal: 760 km
Reichweite maximal: 840 km
Flugdauer: 4 h
Bewaffnung: zwei 7,7 mm Maschinengewehre Vickers mit je 500 Schuss

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