Autor: ek

DINFIA IA.35 Huanquero

DINFIA IA.35 Huanquero
Auf Druck der argentinischen Regierung kam es 1957 zur Bildung der Vereinigung der staatlichen Luftfahrt ?Forschungseinrichtungen - und Flugzeugfabriken mit der Bezeichnung DINFIA (Direcction Nacional de Fabricaciones e Investigationes Aeronauticas). Unter dieser staatlichen Verwaltung standen die ?Fabrica Militar de Aviones? (FMA), die älteste und bekannteste Flugzeugbaufirma Argentiniens, die bereits 1927 gegründet worden war, das ?Institudo Aerotecnico?, das 1943 entstand und der ?Industries Aeronauticas y Mecanicas del Estado? (IAME), einer Flugzeugfabrik, die erst 1953 mit dem Bau von Flugzeugteilen und Leichtflugzeugen begonnen hatte. Grund für den Zwangszusammenschluss war die Fokussierung der geringer werdenden Fördermittel auf die Entwicklung moderner Militärflugzeuge, deren Komplexität über den Möglichkeiten der einzelnen Hersteller lag, sowie der direkte Einfluss und die Teilnahme der Luftfahrtforschung auf die Entwicklung dieser modernen Maschinen. Das erste Vorhaben der DINFIA war die Entwicklung eines zweimotorigen Mehrzweckflugzeuges für die argentinische Luftwaffe. Das Projekt hatte man 1953 bei FMA unter der Bezeichnung IA.35 begonnen und war bereits mitten in den Konstruktionsarbeiten, als die Gründung der DINFIA erfolgte. Die Entwicklung der Maschine lag in den bewährten Händen von Kurt Tank, dem ehemaligen Chefkonstrukteur von Focke Wulf, der bei FMA mit einigen seiner engsten Mitarbeiter ein neues Betätigungsfeld gefunden hatte. Die Konstruktionsleitung übernahm Paul Karges, ebenfalls ein ehemaliger Focke Wulf Mitarbeiter.
DINFIA IA.35 Huanquero (Archiv: Eberhard Kranz)
Konstruktionsmerkmale der IA.35
Das Projekt sah einen zweimotorigen Tiefdecker in Ganzmetallbauweise mit einziehbarem Bugradfahrwerk und doppelten Seitenleitwerk vor. Als Antrieb sollten zwei luftgekühlte 9-Zylinder-Sternmotoren Pratt & Whitney R 1340-AIV-1 ?Wasp? mit einer Startleistung von je 600 PS verwendet werden. Im Instituto Aerotecnico, das nun ebenfalls zur DINFIA gehörte, hatte man eine Eigenentwicklung, einen luftgekühlten 9-Zylinder-Sternmotor mit der Bezeichnung IA 19R El Indio mit einer Startleistung von 620 PS zur Serienreife gebracht, so dass man auf den Einbau der amerikanischen Triebwerke verzichten konnte. Der El Indio war zwar um ca. 45 kg schwerer, das Mehrgewicht sollte aber über die etwas höhere Leistung kompensiert werden. Der Rumpf mit einem abgerundeten rechteckigen Querschnitt war in Schalenbauweise ausgeführt. Hinter den Tragflächen war eine abklappbare Ladeluke angebracht, so dass das Rumpfheck verjüngt ausgeführt war. Der Rumpfbug war wegen der geplanten Verwendung als Schulflugzeug für Navigatoren und Bombenschützen nach unten verglast. Die Kabine war weit vorn im Rumpf untergebracht, was eine gute Sicht nach vorn, nach den Seiten und nach unten für die Piloten bedeutete.
Lediglich nach hinten
war die Sicht sehr schlecht, da die Kabine in die Rumpfkontur eingestrakt war. Hier halfen nur Spiegel. Die Tragfläche bestand aus einem rechteckigen Tragflächenmittelstück, das die beiden Motoren trug, und je einem trapezförmigen Außenflügel hoher Streckung. Die Außenflügel schlossen abgerundete Endkappen ab. Die Tragflächen waren als zweiholmige Torsionskästen in Ganzmetallbauweise ausgeführt, lediglich die Querruder waren mit Stoff bespannt. Die Landeklappen waren in Ganzmetallbauweise ausgeführt. Das freitragende Höhenleitwerk, ebenfalls eine Ganzmetallkonstruktion, lag auf dem Rumpf auf und trug zwei rechteckige Endscheiben als Seitenleitwerke. Sämtliche Ruder am Leitwerk mit verstellbaren Trimmklappen waren stoffbespannt. Das Bugradfahrwerk wurde hydraulisch eingezogen, wobei die Hauptfahrwerke komplett nach hinten in die Motorgondeln eingefahren wurden. Die Räder des Hauptfahrwerks besaßen hydraulische Bremsen. Das nicht bremsbare Bugrad war um 45 Grad lenkbar und fuhr ebenfalls hydraulisch nach hinten in den Rumpfbug ein. Die Motoren befanden sich vor der Tragfläche und lagen auf einer Ebene zur Profilmittellinie. Den Vortrieb besorgten dreiblättrige Ganzmetall - Verstellpropeller Rotal.
DINFIA IA.35 Huanquero (Archiv: Eberhard Kranz)
Flugerprobung der IA.35
Im Sommer 1953 war der erste Prototyp fertig gestellt und erhielt die Bezeichnung IA.35 ?Justicialista del Aire?. Nach erfolgreicher Bodenerprobung startete die Maschine am 21. September 1953 unter der Leitung von First Lieutenant Connon Doyle zum Erstflug, der ohne Probleme verlief. Eigentlich wollte Kurt Tank den Erstflug durchführen, aber aus politischen Gründen sah man davon ab. Nach der erfolgreichen Flugerprobung, die sich bis in den Mai 1954 hinzog, erhielt die DINFIA im Sommer 1954 einen Auftrag über 100 Serienmaschinen, deren Fertigung aber erst ab Herbst 1955 begann. Die Serienmaschinen erhielten jetzt die offizielle Bezeichnung IA.35 Huanquero. Der Erstflug der ersten Serienmaschine erfolgte am 29. März 1957. Inzwischen hatte man die Maschine weiterentwickelt und verschiedene Versionen abgeleitet.
DINFIA IA.35 Huanquero (Archiv: Eberhard Kranz)
Die Versionen der IA.35
IA.35-IA Huanquero :
Schulflugzeug zur Fortgeschrittenenausbildung für Piloten, Navigatoren und Funker
Antrieb zwei Motoren IA 19R El Indio mit je 620 PS Startleistung.
IA.35-IU Huanquero:
Schulflugzeug zur Ausbildung von Bombenschützen und Bordschützen. Die Flugzeuge sollten behelfsweise als Erdkämpfer eingesetzt werden
Antrieb zwei Motoren IA 19SR1 El Indio mit je 750 PS Startleistung
IA.35-II Huanquero:
Leichtes Transport- und Verbindungsflugzeug für sieben Passagiere
Antrieb zwei Motoren IA 19R1 El Indio mit je 650 PS Startleistung
IA.35-III Huanquero:
Sanitätsflugzeug mit drei Mann Besatzung. Kapazität vier Krankenbahren und ein Arzt
Antrieb zwei Motoren IA 19R1 mit je 650 PS Startleistung
IA.35-IV Huanquero:
Fotoaufklärer mit drei Mann Besatzung und dem Bediener der Fotoausrüstungen
Antrieb zwei Motoren IA 19R2 mit je 670 PS Startleistung
IA.35-V Constancia:
Projekt mit zwei Propellerturbinentriebwerken Turbomeca Bastan mit je 794 kW Startleistung (1.065 äPS)
IA.35-X Pandora Verkehrsflugzeug für 10 Passagiere:
Nur drei Exemplare gebaut
Antrieb zwei Motoren IA 19R1 El Indio mit je 650 PS Startleistung.
DINFIA IA.35 Huanquero (Archiv: Eberhard Kranz)
Serienproduktion wurde 1963 eingestellt
1963 stellte man den Serienbau der IA.35 Huanquero ein, da die Maschinen mittlerweile veraltet waren und mit der IA.58 Pucara ein Nachfolgemodell zur Verfügung stand. Insgesamt sind zwischen 48 und 60 Maschinen, je nach Quellenlage, gefertigt worden. Die meisten als IA.35-IA und IA.35-IU, die bei der II. Brigada Aerea in Parana eingesetzt wurden, wo sie die komplette II. Grupo de Exploracion y Ataque bildeten und bis Herbst 1974 im aktiven Dienst blieben, ehe sie durch die IA.58 Pucara ersetzt worden sind.
DINFIA IA.35 Huanquero (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: IA 35-IA
Land: Argentinien
Verwendung: Mehrzweckschulflugzeug
Triebwerk: zwei luftgekühlte 9 Zylinder Sternmotoren IA 19R mit verstellbaren Dreiblatt-Metall-Propeller Rotal
Startleistung: je 620 PS (456 kW)
Dauerleistung: 540 PS (397 kW) in 3.500 m
Besatzung: 3 Mann
Erstflug: 21. September 1953
Spannweite: 19,60 m
Länge: 13,98 m
größte Höhe: 4,90 m
Spannweite Höhenleitwerk: 5,26 m
größte Flügeltiefe: 2,75 m
Propellerdurchmesser: 2,60 m
Propellerfläche: 5,31 m²
Radstand: 3,75 m
Spurweite: 5,04 m
Flügelfläche: 42,00 m²
V-Form: Außenflügel 5°
Streckung: 9,15
Massen: to delete
Leermasse: 3.505 kg
Startmasse normal: 5.000 kg
Startmasse maximal: 5.740 kg
Tankinhalt: 1.200 Liter
Zusatztanks: 2 Zusatzbehälter mit je 325 Liter
Flächenbelastung: 136,67 kg/m²
Leistungsbelastung: 4,63 kg/PS (6,30 kg/kW)
Leistungen: to delete
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 336 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 3.500 m: 366 km/h
Marschgeschwindigkeit in 3.500 m: 322 km/h
Landegeschwindigkeit: 140 km/h
Gipfelhöhe: 6.400 m
Steigleistung: 5,0 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 3,5 min
Steigzeit auf 3.000 m: 12,0 min
Steigzeit auf 6.000 m: 30 min
Reichweite normal: 1.570 km
Reichweite maximal: 2.500 km mit Zusatztanks
Flugdauer normal: 4 h 40 min
Flugdauer maximal: 7 h 45 min
Bewaffnung: zwei 12,7 mm Maschinengewehre Browning M2 mit je 550 Schuss
Bombenlast normal: 200 kg (zwei 100 kg Sprengbomben oder vier 50 kg Splitterbomben oder zwei 127 mm gelenkte Luft-Boden-Raketen oder acht ungelenkte 57 mm Luft-Boden-Raketen an Aufhängepunkten unter dem Tragflächenmittelstück)
Text: Eberhard Kranz

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