Autor: ek

Centre NC 600

Centre NC 600
Im Oktober 1934 wurde seitens des Service Technique de l? Aéronautique die Ausschreibung C3 herausgeben, die ein zweimotoriges schweres Jagdflugzeug für den Tag- und Nachteinsatz als Ersatz für die im Einsatz befindlichen Potez 631 forderte. Bei der Sociètè Nationale de Constructions Aèronautiques du Centre (SNCA), die aus der Zusammenlegung der Firmen Hanriot und Farman entstanden war, überarbeitete man den Entwurf der dafür eingereichten Hanriot H.220 gründlich. Die modifizierte Maschine erhielt die neue Bezeichnung NC 600 und wurde im Juli 1939 auf dem Luftfahrtsalon in Brüssel der Öffentlichkeit vorgestellt.
Centre NC 600 (Archiv: Eberhard Kranz)
Konstruktionsmerkmale der NC 600
Der Entwurf sah einen zweimotorigen Mitteldecker mit einziehbarem Heckradfahrwerk und freitragendem Leitwerk, wobei das Seitenleitwerk aus zwei ovalen Endscheiben bestand, vor. Die Kabine für die zwei bis dreiköpfige Besatzung war auf den Rumpf aufgesetzt und bot gute Sichtverhältnisse für die hinter einander sitzenden Besatzungsmitglieder. Die Maschine war in Ganzmetallbauweise ausgeführt. Der Rumpf mit ovalem Querschnitt bestand aus einer Halbschalenkonstruktion, die durch einen Mittelkiel verbunden wurde, während der Tragflügel mit einem zentralen Holmkasten und Leitwerk ebenfalls eine Ganzmetallkonstruktion war. Eine Besonderheit des Tragflügels, der ursprünglich eine gerade Vorderkante hatte, die später beim Bau der Prototypen aber eine Pfeilung von 3 Grad erhielt, war, dass die Tragflügelmittelstücke von den Motorengondeln aus gegen den Rumpfboden hin abgestrebt waren. Die Ruder waren mit Trimmklappen versehen und stoffbespannt. Das Heckradfahrwerk wurde hydraulisch eingezogen, wobei das Hauptfahrwerk mit je einem hydraulisch bremsbaren Rad nach hinten in die Motorgondeln eingefahren wurde.
Centre NC 600 Ansicht (Archiv: Eberhard Kranz)
Erprobung und Einsatz der NC 600
Die NC 600 startete am 15. Mai 1940 zu ihrem Erstflug in Bourges, dem Sitz der Firma Hanriot. Wie bei der H.220.02 traten auch bei der NC 600 starke Verwirbelungen an den Tragflächenstreben auf, die zu Strömungsproblemen und dadurch hervorgerufene starke Schwingungen an den Tragflächenmittelstücken führten. Nach mehreren Änderungen bekam man das Problem durch eine Verbreitung und aerodynamische Optimierung der Streben im Windkanal in den Griff. Durch die langwierigen Versuche und Umbauten war der ursprüngliche Einsatz bei den französischen Luftstreitkräften in Verzug geraten und das Interesse an der Einführung der NC 600 war stark gesunken, da man auch leistungsmäßig gegen die deutschen Gegner ins Hintertreffen geraten war. Für Tageinsätze als schwerer Jäger und Schlachtflugzeug sollte die Besatzung aus zwei Mann bestehen, bei Einsätzen als Aufklärer dagegen aus drei Mann. Die Bewaffnung sollte aus zwei 20 mm Maschinenkanonen HS 404 und zwei 7,5 mm Maschinengewehren, die im Rumpfbug eingebaut waren und einer schwenkbaren 20 mm Maschinenkanone HS 404, die nach hinten feuerte, bestehen. Für den Einsatz als Schlachtflugzeug war der Rumpfbug einschließlich des Rumpfbodens bis zu den Tragflächenwurzeln mit 4 mm Stahlplatten gepanzert, was eine zusätzliche Zunahme der Leermasse um 120 kg bedeutete, was die an sich schon bescheidenen Flugleistungen noch weiter absinken ließ. Über offizielle Bestellungen der NC 600 gibt es keine verlässlichen Unterlagen, allerdings waren beim Einmarsch der deutschen Truppen in Bourges Ende Mai 1940 sechs NC 600 in verschiedenen Bauzuständen in der Fertigung, die wohl als Nullserie für die Truppenerprobung vorgesehen waren. Die deutsche Luftwaffe hatte kein Interesse an der Fertigstellung der Maschinen auch die Luftwaffen der mit Deutschland verbündeten Länder zeigten kein Interesse, lediglich Bulgarien schickte mehrere Luftwaffenoffiziere zur Besichtigung. So entschied man im August 1940, dass die sechs Maschinen Anfang September 1940 zu verschrotten seien.
Centre NC 600 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Centre NC 600
Land: Frankreich
Verwendung: schweres Tagjagd- und Erdkampfflugzeug
Triebwerk: zwei luftgekühlte 14 Zylinder Doppelsternmotoren Gnome Rhone 14 M0/01 Mars mit verstellbarem Dreiblatt-Metall-Propeller Ratier
Startleistung: je 710 PS (523 kW)
Dauerleistung: je 600 PS (442 kW) in 4.000 m
Erstflug: 15. Mai 1940
Besatzung: 2-3 Mann
Spannweite: 12,80 m
Länge: 8,80 m
größte Höhe: 3,40 m
Propellerdurchmesser: 2,60 m
Propellerfläche: 5,31 m²
Spurweite: 3,92 m
Flügelfläche: 21,16 m²
V-Form: 2,66°
Streckung: 7,74
Massen: XXX
Leermasse: 2.945 kg
Startmasse normal: 3.640 kg
Startmasse maximal: 4.050 kg
Tankinhalt: 960 Liter
Flächenbelastung: 191,40 kg/m²
Leistungsbelastung: 2,85 kg/PS (3,40 kg/kW)
Leistungen: XXX
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 516 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 5.000 m: 542 km/h
Marschgeschwindigkeit in 4.000 m: 475 km/h
Landegeschwindigkeit: 142 km/h
Gipfelhöhe: 9.800 m
Steigleistung: 14,6 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 1,25 min
Steigzeit auf 4.000 m: 5,8 min
Steigzeit auf 8.000 m: 14 min
Reichweite: 860 km mit maximaler Zuladung
Reichweite maximal: 1.200 km mit reduzierter Zuladung
Flugdauer: 2,5 h
Bewaffnung: zwei 20 mm Maschinenkanonen Hispano-Suiza HS 404 mit je 140 Schuss und zwei 7,5 mm Maschinengewehre MAC 34 mit je 1.000 Schuss im Rumpfbug und eine schwenkbare 20 mm Maschinenkanone Hispano-Suiza HS 404 mit 120 Schuss aus der hinteren Kabine feuernd. Bombenlast maximal: 500 kg
Text: Eberhard Kranz

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