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Bristol 130 Bombay

Bristol 130 Bombay
Anfang 1936 erschien die Air Ministry Specification C26/31, welche die Entwicklung eines Transport- und Bombenflugzeuges forderte, das 24 vollausgerüstete Soldaten oder 2.000 kg Bombenlast transportieren sollte, die Höchstgeschwindigkeit sollte über 300 km/h liegen und die Reichweite mindestens bei 1.500 km mit voller Nutzlast betragen. Diese Maschine war als Ersatz für die seit Ende der zwanziger Jahre im Einsatz befindlichen zweimotorigen Doppeldecker Vickers ?Valentia? vorgesehen. Einsatzgebiete dieser Flugzeuge war das britische Empire, besonders Indien und Afghanistan, aber auch das südliche Afrika. Wegen der dort herrschenden Einsatzbedingungen war ein festes Fahrwerk und die Hochdeckerauslegung gefordert worden. Die Ausschreibung ging an die Firmen Armstrong Whitworth, Bristol, Handley Page und Vickers. Eingereicht wurden folgende Vorschläge, A.W. 23 von Armstrong Whitworth, Typ 130 von Bristol, H.P.52 von Handley Page und Typ 230 von Vickers. Nach Prüfung der Unterlagen wurden je ein Prototyp von der A.W.23, Bristol Typ 130 und Handley Page H.P.52 bestellt. Vickers hatte zwischenzeitlich seinen Entwurf zurückgezogen.
Bristol 130 Bombay Mk. I (Archiv: Eberhard Kranz)
Konstruktionsmerkmale Bristol 130 Bombay
Die Bristol Typ 130 war ein freitragender zweimotoriger Hochdecker mit rechteckigem Querschnitt, wobei die Ecken verrundet waren, festem Heckradfahrwerk und einem zweiteiligen Seitenleitwerk, das auf die Höhenflosse gestellt war. Als Antrieb dienten zwei luftgekühlte Neunzylinder-Sternmotoren Bristol Pegasus III mit je 750 PS Startleistung, die zwei feste hölzerne Zweiblattpropeller antrieben. Zur Reduzierung des Luftwiderstands waren die Motoren mit einer NACA Haube verkleidet. Der kastenförmige Rumpf war eine Ganzmetallkonstruktion, die aus einem geschweißten Stahlrohrgerüst bestand, das mit Duraluminium verkleidet war. Die geschlossene Kabine bot den beiden Piloten Platz, der Bombenschütze war im Rumpfbug untergebracht, wo er gleichzeitig das dort befindliche schwenkbare Maschinengewehr bediente. Der Rumpf bildete den Frachtraum und nahm die beiden Haupttanks auf. Auf jeder Seite befanden sich sieben und zwei rechteckige Fenster, sowie eine Frachttür. Bei der Verwendung als Bombenflugzeug wurden zwei 900 kg Bomben an Aufhängungen unter dem Rumpf angebracht, im Rumpf selbst wurde keine Abwurfmunition befördert. Die Tragfläche bestand aus einer einholmigen dreiteiligen Ganzmetallkonstruktion. Das Tragflächenmittelstück mit rechteckigem Grundriß lag auf dem Rumpf auf, der Hauptholm lief oben durch den Rumpf und war mit den Rumpfspanten verbunden. Die beiden Triebwerke befanden sich am Ende des Tragflächenmittelstücks. Die Außenflügel, ebenfalls Ganzmetallkonstruktionen, hatten einen trapezförmigen Grundriss. Die Querruder waren als stoffbespannte Leichtmetallkonstruktionen ausgeführt. Die Höhenleitwerksflosse, ebenfalls eine Ganzmetallkonstruktion, lag ebenso auf dem Rumpf auf und war mit je zwei I-Streben zum Rumpf hin abgestrebt. Die Höhenruder waren stoffbespannt. Die beiden Seitenleitwerksflossen waren etwa in der Mitte der Höhenflossen angebracht und ihr auf der Höhenflosse befindlicher Teil zum Rumpf hin mit einem I-Stiel abgestrebt. Die stoffbespannten Seitenruder verfügten über feststellbare Trimmklappen. Die Maschine verfügte über einen verglasten Bugstand und einen drehbaren geschlossenen Heckstand, auf dem Rumpfrücken befand sich ein weiterer Drehturm. Das feste Hauptfahrwerk mit extrem langem Federweg war mit der Hauptstrebe gegen den Motorenträger angeschlagen und mit einer V-Strebe zum Rumpfboden abgefangen. Bei den ersten Serienmaschinen waren die Haupträder noch aerodynamisch verkleidet, doch im späteren Einsatz wurde die tropfenförmige Verkleidung in der sich schnell Schmutz verfing von der Truppe abgebaut und auch später schon bei der Fertigung weggelassen. Das Spornrad war hydraulisch gedämpft und um 90° schwenkbar.
Bristol 130 Bombay Mk. II (Archiv: Eberhard Kranz)
Erprobung und Einsatz der Bristol 130 Bombay
Anfang Juni 1935 war der Prototyp fertiggestellt und erhielt die militärische Kennung K3583. Nach einer gründlichen Bodenerprobung fand am 23. Juni 1935 der Erstflug auf dem Bristol Werksflugplatz in Flinton statt. Mit einer Spannweite von über 29 m war der Typ 130 das bisher größte von Bristol gebaute Flugzeug. Bei der weiteren Flugerprobung im Verlauf des Jahres 1936 zeigte sich eine ganze Reihe von Mängeln, so war die Maschine für ihre Größe stark untermotorisiert, die Stabilität um die Längsachse ließ zu wünschen übrig und die Ruderkräfte waren zu groß. Auch die Bewaffnung entsprach nicht den Vorstellungen der Militärs, so dass auch diese überarbeitet werden mußte. Die Royal Air Force forderte eine komplette Überarbeitung der Konstruktion und zu diesem Zweck erließ das Air Ministry die Spezifikation 47/36 zur Serienreifmachung der Bristol Bombay II, die mit einem Auftrag über 50 Maschinen verbunden war. Die neuen Triebwerke Bristol ?Pegasus XXII? leisteten 1.010 PS und verfügten über verstellbare Dreiblatt-Metallpropeller.
Die Bewaffnung war auf vier Maschinengewehre verstärkt worden und durch die Vergrößerung des Seitenleitwerks war die Längstabilität verbessert worden. Da das Bristolwerk in Flinton mit der Serienfertigung der Bristol Blenheim ausgelastet war, wurde die Serienfertigung der Bombay an Short Brothers in Belfast übertragen. Im Mai 1939
flogen die ersten Serienmaschinen und bereits im September 1939 übernahm die 216 Squadron in Ägypten als erste die neuen Maschinen. Die 117, 267 und 271 Squadron folgten. In der Nacht zum 15. Juni 1940 griffen die Flugzeuge der 216 Squadron die italienischen Truppen bei Tobruk an. Bis Mitte 1941 waren die Angriffe auf die italienischen Truppen erfolgreich und die Verluste an Flugzeugen waren minimal. Mit dem Auftauchen der Messerschmitt Bf 109 F und G beim Jagdgeschwader JG 27, das in Nordafrika operierte, waren die Verwendung der Bombays als Bombenflugzeug vorbei. Die Maschinen wurden als Transporter verwendet und spielten zum Beispiel bei der Evakuierung der britischen Truppen aus Griechenland im Mai 1941 eine große Rolle. Bei der Niederschlagung des Aufstandes im Irak 1941 wurden die Bombays als Truppentransporter verwendet und bei Kommandounternehmen dienten sie zum Absetzen von Agenten und Luftlandesoldaten. Bei der alliierten Landung auf Sizilien und dem folgenden Kämpfen transportierten die Bombaysqudronen über 6.000 Vollausgerüstete Soldaten. Gegen Ende des Krieges wurden die noch vorhandenen Maschinen nach England zurückgeführt. Von den insgesamt gebauten 51 Bristol 130 Bombay haben 14 den Krieg überlebt und sind dann Ende der vierziger Jahre außer Dienst gestellt worden. Alle Maschinen wurden allmählich verschrottet, heute existiert keine Bristol Bombay mehr.
Bristol 130 Bombay Mk. I und Mk. II (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Bristol 130 Bombay
Land: Großbritannien
Triebwerk: zwei luftgekühlte 9-Zylinder-Sternmotoren Bristol ?Mercury? XXII mit verstellbaren Dreiblatt-Metall-Propellern ?Rotol?
Startleistung: 1.010 PS (743 kW)
Dauerleistung: 880 PS in 4.000 m (647 kW)
Besatzung: 4 Mann
Nutzlast als Transporter: 2.000 kg oder 24 voll ausgerüstete Soldaten
Erstflug: 23. Juni 1935
Spannweite: 29,30 m
Länge: 20,64 m
größte Höhe: 6,07 m
Flügelfläche: 124,54 m²
V-Stellung: 7,0°
Spurweite: 5,58 m
Propellerdurchmesser: 3,70 m
Propellerfläche: 10,75 m²
Leermasse: 6.260 kg
Startmasse normal: 9.070 kg
Startmasse maximal: 10.560 kg
Nutzlast als Transporter: 2.000 kg
Kraftstoff: 1.400 Liter
Flächenbelastung: 84,8 kg/m²
Leistungsbelastung: 5,23 kg/PS (7,11 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 294 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 4.000 m: 409 km/h
Reisegeschwindigkeit in 3.500m: 257 km/h
Landegeschwindigkeit: 125 km/h
Gipfelhöhe: 7.620 m
Steigleistung: 3,8 m/s
Steigzeit auf 1.000m: 4,5 min
Steigzeit auf 5.000m: 30,0 min
Reichweite mit vollem Tankinhalt und 500 kg Nutzlast: 3.500 km
Reichweite mit 2.000 kg Nutzlast: 1400 km
maximale Flugdauer: 14 h
Startstrecke: 890 m
Landestrecke: 950 m
Verwendung: Bomben- und Transportflugzeug
Bewaffnung: 4 x 7,7mm Maschinengewehre Browning 0.303 mit je 1.200 Schuss
Bombenlast maximal: 1804 kg
Text: Eberhard Kranz

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