Autor: ek

Bratu-220

Bratu-220
1929 begann sich Romulus Bratu, der in Frankreich in der Luftfahrtindustrie arbeitete, mit dem Projekt eines Verkehrsflugzeuges zu beschäftigen. Das Neue an seinem geplanten Flugzeug war die Idee, alle Motoren auf der Längsachse des Flugzeuges wirken zu lassen, um asymmetrische Luftschrauben-Drehmomente, die häufig zum Ausbrechen des Flugzeuges bei Start und Landung führten, zu vermeiden. Dies war seiner Meinung nach möglich, indem er zu einem normalen, im Rumpfbug montierten Motor, noch eine Motorgondel mit zwei tandemartig angeordneten Motoren auf den Rumpfrücken setzte. Um die Richtigkeit seiner Überlegungen zu überprüfen, führte er am Luftfahrtinstitut in St.Cyr mit einem Modell im Maßstab 1:25 entsprechende Windkanalversuche durch. Die dabei gewonnenen Ergebnisse waren sehr zufriedenstellend, so dass er sich entschloss, die Konstruktion und den Bau der als Bratu-220 bezeichneten Maschine in Angriff zu nehmen. Das Flugzeug war ein freitragender Hochdecker in Gemischtbauweise mit festem Heckradfahrwerk und Normalleitwerk. Das Höhenleitwerk war zum Rumpf hin abgestrebt. Der geräumige Rumpf verfügte über eine geschlossene Kabine für die zweiköpfige Besatzung und bot 10 Passagiere in Einzelsitzen Platz, wobei jedem Passagier ein Fenster zur Verfügung stand. Vor der Kabine, mit einem Volumen von 18,7 m³ und einer Länge von 6,5 m, befanden sich eine Garderobe und ein Waschraum mit Toilette. Der Rumpf war eine Stahlrohrkonstruktion, die mit Sperrholz verkleidet war. Im Bereich des Bugmotors bestand die Verkleidung aus Duralblechen. Die Tragflächen waren als eine neuartige holmlose Holzkonstruktion in geodätischer Bauweise ausgelegt, das heißt sich kreuzende Rippen nahmen die Kräfte auf und leiteten sie in den Rumpf ein, gleichzeitig war die Sperrholz-Außenhaut mit zum tragenden Element geworden. Das war zu dieser Zeit eine völlig neue Bauweise. Das Leitwerk war eine normale Holzkonstruktion, die ebenfalls mit Sperrholz verkleidet war. Die Ruder waren alle mit Stoff bespannt. Das Fahrwerk schlug an einem verstärkten Rumpfspant oben und unten an und verfügte über zwei Öldämpfer. Im Frühjahr begann die Fertigung der einzelnen Teile in verschiedenen Werkstätten im Pariser Bezirk Athis-Mons. Die Montage des Flugzeuges selbst fand in den Werkstätten der Luftfahrtgesellschaft CIDNA (Compagnie Franco-Roumaine de Navigation Aérienne) in Le Bourget statt. Die CIDNA wurde später dann ab dem 7.Oktober 1933 ein Teil der Air France. Die Montage dauerte ziemlich lange, so dass der Erstflug erst am 14. Oktober 1932 stattfinden konnte. Erstaunlich für die damalige Zeit war, dass so ein großes Flugzeug nur eine Leermasse von 4.500 kg aufwies und fast eine ebenso große Nutzlast befördern konnte. Die Flugerprobung verlief erfolgreich, so dass die Bratu-220 am 26.November 1932 das französische Luftzulassungszeugnis erhielt.
Die CIDNA übernahm die Maschine und betrieb sie auch kurzfristig bis zur Übernahme durch die Air France. Im März 1933 wurde die Maschine in Le Bourget dem damaligen französischen Luftfahrtminister Pierre Cot in der Hoffnung auf einen Serienauftrag vorgestellt. Er äußerte sich zwar wohlwollend, aber eine Bestellung erfolgte nicht, so blieb die Bratu-220 trotz ihrer modernen Technik ein Einzelstück.
Kurze Zeit nach der Übernahme durch die Air France wurde die Maschine bei einem Bodenunfall beschädigt und nicht mehr instandgesetzt.
Bratu-220 (Bild: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Bratu-220
Land: Rumänien
Verwendung: Verkehrsflugzeug
Baujahr: 1932
Triebwerk: ein luftgekühlter 9 Zylinder Sternmotor Gnome Rhone Jupiter mit festem Zweiblatt-Holzpropeller im Rumpfbug und zwei luftgekühlte 5 Zylinder Sternmotoren Gnome Rhone Titan tandemartig auf dem Rumpfrücken mit festen Zweiblatt-Holzpropellern, wobei der hintere als Druckschraube wirkte
Startleistung: einmal 420 PS (310 kW) und zweimal 230 PS (170 kW)
Dauerleistung: einmal 350 PS (258 kW) und zweimal 170 PS (126 kW) in 4.000 m
Besatzung: 2 Mann
Passagiere: 10
Erstflug: 14. Oktober 1932
Spannweite: 25,00 m
Länge: 17,47 m
Größte Höhe: 6,55 m
Propellerdurchmesser: Bugmotor 2,60 m Tandemmotoren 2,00 m
Propellerfläche: Bugmotor 5,31 m² Tandemmotoren je 3,14 m²
Spurweite: 4,05 m
Flügelfläche: 83,00 m²
V-Form: 1,5°
Flügelstreckung: 7,53
Leermasse: 4.500 kg
Startmasse normal: 8.200 kg
Startmasse maximal: 8.850 kg
Nutzlast: 1.000 kg
Tankinhalt: 1.200 Liter
Flächenbelastung: 106,62 kg/m²
Leistungsbelastung: 10,06 kg/PS (13,66 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 182 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 3.000 m: 201 km/h
Reisegeschwindigkeit in 3.000 m: 170 km/h
Landegeschwindigkeit: 90 km/h
Gipfelhöhe: 4.100 m
Steigleistung: 4,3 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 4,5 min
Steigzeit auf 3.000 m: 16,5 min
Reichweite normal: 850 km
Reichweite maximal: 1.020 km
Flugdauer: 5 h

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