Autor: ek

Boulton Paul P.111

Boulton Paul P.111
Ende der vierziger Anfang der fünfziger Jahre war die britische Luftfahrtindustrie mit einer Vielzahl von Projekten beschäftigt, die auf erbeuteten deutschen Unterlagen basierten. Als Bestandteil dieser Entwicklungen wurde von Boulton Paul die P.111 in Wolverhampton gebaut. Grundlage bildete die Air Ministry Spezifikation E.27/46, worin die Erforschung von Deltaflügeln gefordert wurde. Die P.111 wurde als kleinstmögliches Flugzeug gebaut, das in der Lage war, ein Rolls Royce Nene Triebwerk und einen Martin-Baker Schleudersitz aufzunehmen. Die Deltaflügel hatten eine Kantenpfeilung von 45°. Die Maschine wurde so konzipiert, dass sie eventuell die Plattform für ein späteres Jagdflugzeug bilden könnte. Am 10. Oktober 1950 absolvierte das einsitzige Flugzeug mit zentralem Lufteinlauf und Rolls Royce Radialturbinen-Triebwerk Nene seinen Erstflug. Pilot war Bob Smyth, spätere Testflüge führte die Testpilotenlegende Alexander E. Gunn, genannt ?Ben Gunn? durch. Er bezeichnete die Maschine als sehr empfindlich (touchy) und als eine fliegende Rasierklinge. Die P.111 war ein schwanzloser Deltamitteldecker in Ganzmetallbauweise mit einziehbarem Bugradfahrwerk. Lediglich die auswechselbaren Flügelnasen, die unterschiedliche Profilformen hatten, waren aus Glasfiber gefertigt. Der schwanzlose Rumpf endete kurz nach den Tragflügelhinterkanten mit dem Schubrohr. An der Backbordseite war ein Bremsschirm untergebracht. Die Höhenruderfunktionen wurden durch kombinierte Querruder übernommen. Nach einem Landeunfall wurde beim Wiederaufbau die Maschine zur P.111A modifiziert, wobei durch einige Änderungen der Gestalt die Flugeigenschaften verbessert werden sollten. So wurden zwei aerodynamische Bremsen an jeder Rumpfvorderseite angebracht und das Staurohr vergrößert und zentral im Lufteinlauf angebracht. Die Testflüge wurden am2.Juli 1953 wieder aufgenommen. Der letzte Flug fand 1958 statt, anschließend kam die Maschine zu Schulzwecken nach Cranfield. 1985 wurde sie dann im Midland Air Museum nach einer Restaurierung ausgestellt, wo sie noch heute im Freigelände zu besichtigen ist. Wegen ihres leuchtend gelben Anstrichs wurde die P.111 auch als ?Yellow Peril? (gelbe Gefahr) bezeichnet. Die Weiterentwicklung P.120 wurde auch nur als Prototyp gebaut, der in einer relativ frühen Erprobungsphase abstürzte.
Boulton Paul P.111
Archiv: Eberhard Kranz
Technische Daten: P.111A
Verwendung: Experimentalflugzeug
Baujahr: 1950
Besatzung: 1 Mann
Triebwerk: ein Radialturbinen-Luftstrahltriebwerk Rolls Royce Nene R3N2
Startleistung: 2.200 kp Schub
Dauerleistung: 2.050 kp Schub in 6.000 m
Spannweite: 11,10 m
Länge: 7,95 m
größte Höhe: 3,80 m
Spurweite: 5,06 m
Flügelfläche: 18,50 m²
V-Form: -0,5°
Leermasse: 3.405 kg
Startmasse normal: 4.350 kg
Startmasse maximal: 4.590 kg
Tankinhalt: 910 Liter
Flächenbelastung: 248,1 kg/m²
Leistungsbelastung: 2,1 kg/kp Schub
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 975 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 6.000m: 1.043 km/h
Gipfelhöhe: 10.700 m
Steigleistung: 47,8 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 22 s
Steigzeit auf 6.000 m: 2,25 min
Reichweite normal: 1.050 km
Reichweite maximal: 1.250 km
Landestrecke: 1.020 m
Startstrecke: 850 m
Flugdauer: 1,25 h

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