Autor: ek

Berijev R-1

Berijev R-1
Nachdem die ersten strahlgetriebenen Flugzeuge in der Sowjetunion erfolgreich flogen, wollte man seitens des Oberkommandos der Luftstreitkräfte möglichst nur noch strahlgetriebene Flugzeuge. Die ersten mehrstrahligen Modelle als Aufklärungs- und Bombenflugzeuge waren in der Entwicklung bzw. bereits in der Erprobung. Die Triebwerksentwicklung hatte durch den Lizenzbau der modernen Rolls Royce Nene Anschluss an die internationale Entwicklung gefunden. Im OKB 49 unter der Leitung von G. M. Berijev in Taganrog beschäftigte sich man sich mit der Entwicklung des hochseefähigen Aufklärungs- und Kampfflugbootes Be-6, das aus der LL-143 abgeleitet worden war, als eine Anfrage seitens des Admirals der Roten Flotte N.G. Kusnezov über die Möglichkeiten der Entwicklung eines mit Strahltriebwerken angetriebenen Flugbootes eintraf, da Iljushin und Tupolev bereits an den Torpedobombern Il-28T und Tu-14 arbeiteten. Ab Mai1947 begann man sich bei Berijev unter der Leitung von A.S. Korytin mit der Entwicklung eines strahlgetriebenen Aufklärungsflugbootes zu beschäftigen, wobei man zwei Auslegungen untersuchte, einmal einen geraden Möwenflügel und zum anderen einen Schulterdecker mit hohen Rumpfquerschnitt, Normalflügeln und langen Stützschwimmern. Als Triebwerke wollte man zwei RD-45 (Rolls Royce Nene) verwenden. Relativ schnell entschied man sich für den Möwenflügel, da man die Triebwerke im Knick, sehr hoch über der Wasseroberfläche liegend, einbauen konnte.
Bei den zu erwartenden Leistungen kam man auf eine Höchstgeschwindigkeit von 780-800 km/h, eine Gipfelhöhe von 12.000 m, eine Reichweite von 2.000 ?2.500 km und eine Bombenlast von ca. 2.000 kg.
Auf Grund dieser Kenngrößen wurde am 12.Juli 1948 mit dem Beschluss 2061-803 des Verteidigungsministeriums die Schaffung eines strahlgetriebenen Aufklärungs- und Kampfflugbootes mit der Bezeichnung R befohlen. Als Übergabetermin zur staatlichen Musterprüfung war der Dezember 1949 festgeschrieben.
Der entgültige Entwurf sah ein zweistrahliges Schulterdecker Flugboot mit Möwenflügeln, ausklappbaren Stützschwimmern an den Tragflächenenden, Normalleitwerk mit hoch angesetztem Höhenleitwerk in Ganzmetallbauweise vor. Zur besseren Sicht war die Kabine seitlich versetzt. Die Bewaffnung sollte aus vier 20 mm Maschinenkanonen bestehen, wovon zwei im ferngesteuerten Heckstand installiert waren.
Durch die Entwicklung der Be-6 war die Realisierung des Wunschtermins illusorisch, zumal noch verschiedene Änderungen vorgenommen werden mußten. So wurde die Verwendung der stärkeren Klimov WK-1 Triebwerke
gefordert, die Bewaffnung des Heckstandes sollte nun aus zwei 23 mm Maschinenkanonen bestehen und es sollten auch zwei 500 kg Wasserminen AMD-500 befördert werden können, was zur Erhöhung der Rüstmasse um 2.700 kg führte. Deshalb sollte eine Starthilfsrakete verwendet werden.
Die nun so abgeänderte Maschine erhielt die Bezeichnung R-1.
Nach dem die Attrappe im Juni 1950 fertiggestellt war, begann der Bau des Prototyps, der im November 1951 abgeschlossen wurde.
Am 22.November 1951 begannen in Taganrog die Vorbereitungen zum Erstflug, dabei stieß man auf bisher unbekannte Erscheinungen. Bis zu einer Geschwindigkeit von 165 km/h verhielt sich das Flugboot normal, nahm die Geschwindigkeit weiter zu kam es zu so starken Schwingungen im Heckbereich, dass eine Zerstörung zu befürchten war. Bei einem Versuch wurde die R-1 dabei aus dem Wasser gerissen und setzte mit dem Heck wieder auf. Nur das Können des Piloten Suchomlin verhinderte eine Katastrophe. Trotzdem waren die Beschädigungen schwerwiegend.
Um eine Lösung zu finden, wurden nach der Reparatur der R-1 Experten des ZAGI hinzugezogen, aber deren Vorschläge brachten vorerst auch keine Verbesserung. Die R-1 kam nicht aus dem Wasser. Bei Geschwindigkeiten über 165 km/h wurden im Rumpfbug Belastungen bis zu 10,7 g gemessen.
Erst als man unter hohem Druck Luft aus dem Schiffsboden vor der Kielstufe strömen lies, wurden die Schwingungen weniger. Am 29. Mai 1952 erreichte man eine Geschwindigkeit von 193 km/h und am 30. Mai 1952 hob die R-1 zu ihrem Erstflug ab. Bei einer Fluggeschwindigkeit von 370 km/h trat ein heftiges Schütteln des Hecks auf, trotzdem landete die R-1 wieder sicher.
Eine weitere Verbesserung des Lufteinblassystem und eine geänderte Bug- und Kielform beseitigten die Schwingungen dann ganz.
Mittlerweile war klar, dass die R-1 nicht in Serie gehen würde und eine Modifikation R-2 mit stärkeren Triebwerken Klimov WK-5 nicht gebaut werden würde.
Man beschloss aber, die gesammelten Erfahrungen in ein neues Projekt einfließen zu lassen. Die daraus entstandene Maschine war dann die vierstrahlige Be-10.
Mit der nun sicher beherrschbaren R-1 wurden noch bis Februar 1956 verschiedenste Versuchsserien geflogen, bis sie nach einer Notwasserung mit Grundberührung so beschädigt wurde, dass sie abgeschrieben werden mußte.
Die R-1 war weltweit das erste Flugboot mit Strahltriebwerken und die damit erworbenen Erkenntnisse setzten das OKB Berijev in die Lage, modernste Flugboote zu bauen. (Be-12)
Das Phänomen der hydrodynamischen Instabilitätsgrenze war gelöst wurden.
Berijev R-1 (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Berijev R-1
Baujahr: 1951
Verwendung: Aufklärungs- und Kampfflugboot
Besatzung: 3 Mann
Triebwerk: zwei Strahlturbinen Klimov WK-1
Startleistung: je 2.700 kp Schub (26,5 kN Schub)
Dauerleistung: je 2.640 kp Schub (25,9 kN) in 5.000 m
Länge: 19,90 m
größte Höhe: 7,10 m
Abstand zwischen den ausgefahrenen Stützschwimmern: 16,20 m
Flügelfläche: 58,00 m²
V-Form: Knickflügel nach oben +25° Außenflügel ?6°
Streckung: 6,90
Leermasse: 12.460 kg
Startmasse normal: 19.000 kg
Startmasse maximal: 20.300 kg
Tankinhalt: 8.470 Liter
Flächenbelastung: 350,0 kg/m²
Leistungsbelastung: 3,76 kg/kp
Höchstgeschwindigkeit über dem Wasser: 760 km/h
Marschgeschwindigkeit in 5.000 m: 580 km/h
Startgeschwindigkeit: 195 km/h
Landegeschwindigkeit: 185 km/h
Steigleistung: 16,7 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 1,0 min
Steigzeit auf 5.000m Höhe: 5,5 min
Reichweite normal: 1.650km
Reichweite maximal: 2.000 km
Maximale Flugdauer: 3,5h
Startstrecke: 460 m
Landestrecke: 480 m
Bewaffnung: vier 23 mm Maschinenkanonen NR-23 mit je 100 Schuss starr im Rumpfbug und zwei 23 mm Maschinenkanonen Sch-3 mit je 200 Schuss im ferngesteuerten Heckstand ASP-3N.
Bombenlast maximal: 1.000 kg

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