Autor: ek

Archangelsky ANT-35

Archangelsky ANT-35 (PS-35)
Anfang 1935 erhielt die Konstruktionsgruppe unter Leitung von A. A. Archangelsky im Konstruktionsbüro Tupolevs den Auftrag, ein modernes zweimotoriges Verkehrsflugzeug für die Aeroflot zu entwickeln. Die Maschine sollte der Douglas DC-2 mindestens ebenbürtig und in der Höchstgeschwindigkeit überlegen sein. Die bisher eingesetzten Maschinen der Typen K-5, PS-9 oder Chai-1 hatten eine Kapazität von 7-10 Passagieren und flogen zwischen 200 und 300 km/h. Neben Tupolev hatte auch P. L. Bartini einen Entwicklungsauftrag erhalten, woraufhin er die Stal-7 entwickelte. Archangelsky griff auf die Auslegung des modernen Bombers SB (ANT-40) zurück, der ebenfalls unter seiner Leitung entstanden war und eine Höchstgeschwindigkeit von 404 km/h erreichte. Er übernahm die Tragflächen fast unverändert, ebenso Rumpfheck, Fahrwerk und Höhenleitwerk. Wirklich neu waren nur das Rumpfvorderteil und die Passagierkabine, die in den engen Bomberrumpf der ANT-40 eingepasst werden mußte, sowie die Verwendung zweier luftgekühlter M-85 Sternmotoren, einer Lizenzfertigung des Gnome Rhone 14Kfrs.
Archangelsky ANT-35 (PS-35) (Archiv: Eberhard Kranz)
Hauptkonstruktionsmerkmale der Archangelsky ANT-35
Die ANT-35 war ein zweimotoriger, freitragender Tiefdecker in Ganzmetallbauweise mit einziehbarem Heckradfahrwerk und Normalleitwerk. Der ovale Rumpf war in Halbschalenbauweise ausgeführt und mit Glattblech verkleidet und besaß eine Schall- und Wärmeisolierung. Er bot Platz für die zweiköpfige Besatzung und nur 10 Passagiere, verfügte aber über eine Kabinenheizung, eine Küche und einen Waschraum mit Toilette. Trotz des Komforts war die Passgierkapazität gegenüber der DC-2 deutlich geringer. Die Tragflächen des als Tiefdecker ausgelegten Flugzeuges waren einholmig ausgeführt und mit Glattblech beplankt, wo teilweise versenkte Nietköpfe verwendet wurden. Die Landeklappen waren durchgängig von einem Querruder unter dem Rumpf durchgehend zum anderen Querruder angebracht und wurden elektro-mechanisch betätigt. Das Leitwerk war als freitragendes Normalleitwerk ebenfalls in Ganzmetallbauweise ausgelegt. Das Fahrwerk bestand aus den beiden Hauptfahrwerken, die elektro-mechanisch nach hinten in die Motorgondeln eingefahren wurden, wobei im eingefahrenen Zustand die Haupträder noch etwa zur Hälfte aus den Gondeln herausragten, um bei eventuellen Notladungen als Schutz des Rumpfbodens und der Motorgondeln zu dienen. Das Spornrad war nicht einziehbar. Durch den Einbau des ersten sowjetischen Autopiloten und einer umfangreichen Navigationsausrüstung wollte man die Maschine auch bei schlechten Wetterverhältnissen einsetzbar machen.
Archangelsky ANT-35 (PS-35) (Archiv: Eberhard Kranz)
Flugerprobung der Archangelsky ANT-35
Am 14. August 1936 startete Testpilot M. M. Gromov zum Erstflug. Bereits am 17. September berichtete er Stalin über das neue Flugzeug, das einen sehr guten Eindruck auf ihn gemacht hatte. Am 25. September 1936 erreichte Gromov auf der Strecke Moskau - Leningrad ?Moskau eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 348 km/h. Im November 1936 flog Gromov von Moskau über Königsberg und Köln nach Paris, worauf in der renommierten Fachzeitschrift Flight zu lesen war, dass der russische Flugzeugbau in den letzten zwei Jahren mit den Typen ANT-25 und ANT-35 einen großen Schritt nach vorn getan habe. Der zweite Prototyp die ANT-35 bis erhielt einen um 0,45 m verlängerten Rumpf und die stärkeren Motoren M-62 IR. Im Mai 1937 wurde vom Ministerrat entschieden, das Flugzeug unter der Bezeichnung PS-35 im Moskauer Flugzeugwerk 22 S.M. Gorbunov in einer Serie von 150 Exemplaren herzustellen. Da das Werk aber durch die Herstellung des Bombers SB, die natürlich Vorrang hatte, völlig überlastet war, reduzierte man den Auftrag bereits Anfang Juni 1937 auf 50 Maschinen, deren größerer Teil als Reiseflugzeuge mit luxuriöser Innenausstattung für Regierungsmitglieder und andere hohe Funktionäre dienen sollte. Auch diese Zahl stand nur auf dem Papier, denn es fehlte Material und auch die Motoren waren ein Engpass, da sie für die Fertigung der SB Bomber vorgesehen waren.
Archangelsky ANT-35 (PS-35) (Archiv: Eberhard Kranz)
Die Archangelsky ANT-35 blieb kriegsbedingt eine Kleinserie
Gebaut wurden letztlich lediglich neun PS-35, die von 1938 bis 1941 auf den Linien Moskau-Lwow, Moskau-Odessa und Moskau-Leningrad eingesetzt wurden. International wurde eine PS-35 mit der Kennzeichnung USSR-M131 von Moskau über Riga nach Stockholm eingesetzt und eine zweite mit der Kennung USSR-M134 zwischen Moskau und Prag. Der Einsatz der PS-35 litt an ihrer beschränkten Passagierkapazität, so dass die Sowjetunion 1938 die Lizenz der Douglas DC-3 erwarb, die als Lissunov Li-2 (PS-84) in großer Serie gebaut wurde und den Ausgangspunkt aller späteren Entwicklungen sowjetischer Verkehrsflugzeuge darstellte. Die neun gebauten PS-35 wurden im zweiten Weltkrieg als Versorgungsflugzeuge der im Hinterland operierenden Partisanenverbände eingesetzt, wobei sie dabei naturgemäß sehr schnell verbraucht waren.
Archangelsky ANT-35 (PS-35) (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: Archangelsky ANT-35
Land: Russland
Verwendung: Verkehrsflugzeug
Triebwerk: zwei luftgekühlte 14 Zylinder Doppel-Sternmotoren M-85 (Gnome Rhone 14Kfrs) mit verstellbaren Dreiblatt-Metallpropellern
Startleistung: je 800 PS (507 kW)
Dauerleistung: 720 PS (531 kW) in 3.500 m
Erstflug: 14. August 1936
Besatzung: 2 Mann
Passagiere. 10
Spannweite: 20,80 m
Länge: 15,40 m
größte Höhe: 3,77 m
Propellerdurchmesser: 3,35 m
Propellerfläche: 8,81 m²
Spurweite: 5,30 m
Flügelfläche: 57,80 m²
V-Form: +0,25°
Streckung: 7,49
Leermasse: 5.012 kg
Startmasse normal: 6.700 kg
Startmasse maximal: 7.020 kg
Tankinhalt: 950 Liter
Nutzlast: 1.988 kg
Flächenbelastung: 121,45 kg/m²
Leistungsbelastung: 4,39 kg/PS (5,96 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 362 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 3.000 m: 374 km/h
Reisegeschwindigkeit in 3.000 m: 308 km/h
Landegeschwindigkeit: 85 km/h
Gipfelhöhe: 6.700 m
Steigleistung: 6,0 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 3,0 min
Steigzeit auf 3.000 m: 12,0 min
Reichweite normal: 1.440 km
Reichweite maximal: 1.600 km
Flugdauer: 5 h
Startstrecke: 520 m
Landestrecke: 470 m
Text: Eberhard Kranz

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