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AGO Ao 192 Der Kurier

AGO Ao 192 Der Kurier
1916 gründete Gustav Otto, der Sohn von Dr. Nicolaus Otto, dem Erfinder des Ottomotors, zusammen mit Josef Schrittisser die AGO Flugzeugwerke GmbH in Oschersleben. AGO stand übrigens für Aktien Gesellschaft Otto, dem 1910 von Otto und Dr. Alberti gegründeten Lizenzwerk in Berlin-Johannisthal. Unter der Leitung von Gabriel Letsch, der gleichzeitig Chefkonstrukteur und Einflieger war, baute man dort Militärflugzeuge, darunter die bekannte AGO CI, ein bewaffneter Doppelrumpf-Doppeldecker, der vom Schweizer Konstrukteur August Haefeli entwickelt worden war, und als Aufklärer eingesetzt wurde und bei den Fliegern wegen seiner sehr guten Flugeigenschaften außerordentlich beliebt war. Das neue Werk in Oschersleben baute nur Flugzeugteile für verschiedene Hersteller, auf eigenständige Konstruktionen verzichtete man. Nach Kriegsende 1918 stellte man die Fertigung auf Automobilbau um, war damit aber auch wenig erfolgreich und in Folge der Weltwirtschaftskrise mußte der betrieb 1928 schließen und wurde am 30. Juni 1930 zwangsversteigert. Gustav Otto war bereits kurz nach dem Krieg aus dem Unternehmen ausgeschieden und betrieb bis zu seinem Tode 1926 eine Versuchswerft am Starnberger See. Anfang1934 erwarb die Reichsregierung die leerstehenden Hallen und gründete dort eine Schattenfabrik zur Herstellung von Flugzeugen unter der Bezeichnung Apparatebau GmbH Oschersleben, die unter Betriebsleiter Johann Müller im Winter 1934 mit der Lizenzfertigung der Arado Modelle Ar 65, Ar 66 und Ar 77 begann. Später kam noch der Heinkel Jäger He 51 dazu. Bereits im Frühjahr 1935 wurde eine eigene Entwicklungsabteilung gegründet, um auch eigene Entwicklungen anbieten zu können. 1935 forderte die Lufthansa ein modernes zweimotoriges Reise- und Zubringerflugzeug in Ganzmetallbauweise für sechs Passagiere. Die Ausschreibung ging an Siebel, Focke-Wulf und AGO. Siebel reichte daraufhin die Fh 104 ?Hallore?, Focke-Wulf die Fw 58 und AGO die Ao 192 ?Der Kurier? ein. Nach Prüfung der eingereichten Unterlagen erhielt AGO einen Auftrag zum Bau dreier Prototypen.
AGO Ao 192 B Der Kurier (Archiv: Eberhard Kranz)
Konstruktionsmerkmale der AGO Ao 192 Der Kurier
Die Ao 192 war ein moderner freitragender zweimotoriger Tiefdecker in Ganzmetallbauweise mit einziehbarem Heckradfahrwerk, der auf die Erzielung einer hohen Reisegeschwindigkeit ausgelegt war. Es waren drei Bauvarianten vorgesehen, Ao 192 A, Ao 192 B und Ao 192 C, die sich nur in Details unterschieden. Die Ao 192 C war als militärische Variante als Stabsreiseflugzeug und als Schulflugzeug mit Doppelsteuer vorgesehen, blieb aber nur ein Projekt. Der Rumpf mit ovalem Querschnitt war in Schalenbauweise ausgelegt. Die Passagierkabine mit einer Grundfläche von 2,86 m² verfügte über eine Klimaanlage und bot sechs Passagieren in Einzelsitzen bequem Platz. Der Pilot und der Funker waren in einem separaten Cockpit untergebracht. Ein großzügiger Gepäckraum befand sich im Heckteil. Auf jeder Rumpfseite befanden sich vier Fenster, während die Tür sich auf der rechten Rumpfseite befand. Die Tragfläche war eine dreiteilige Ganzmetallkonstruktion, bestehend aus einem Mittelteil und zwei Außenflügeln. Das zweiholmige Tragflächenmittelstück mit rechteckigem Grundriß verfügte über durchgehende Spreizklappen als Landehilfe. Die Außenflügel mit stark gepfeilter Vorderkante trugen die über die gesamte Länge der Hinterkante reichende Querruder mit Trimmklappen. An den Außenflügeln war eine pneumatische Enteisungsanlage angebaut. Das Seitenleitwerk war ebenfalls eine Ganzmetallkonstruktion, lediglich das Ruder war stoffbespannt. Das Seitenruder verfügte über eine Trimmklappe und war gewichtlich ausgeglichen. Das Höhenleitwerk war beim Prototyp der A Variante, Ao 192 V1, und auch beim Prototyp der B Variante, Ao 192 V2, hoch an der Seitenflosse angesetzt und mit je einem I-Stiel zum Rumpf abgestrebt. Der Rumpfbug war runder ausgeführt und dadurch war der Rumpf geringfügig um 12 cm kürzer geworden Das Höhenleitwerk war ebenfalls eine Ganzmetallkonstruktion mit stoffbespannten Rudern, die sowohl aerodynamisch als auch gewichtlich ausgeglichen waren und über eine Trimmklappe verfügten.
Der Aufriß der Höhenflossen war glockenförmig. Die Motoren waren vor der Flügelvorderkante montiert und wiesen eine Winkellage von 7,5 ° zur Längsachse auf, um den Luftschraubendrall zu kompensieren. In den unteren Teil der Motorgondel fuhr das Hauptfahrwerk hydraulisch nach hinten ein. Das Hauptfahrwerk, das über hydraulische Bremsen verfügte, war mit Niederdruckreifen 690 x 200 m ausgerüstet, die bei der Ao 192 V1 am Federbein nach außen zu den Tragflächen hin angebracht waren und im eingefahrenen Zustand zur Hälfte aus der Motorgondel heraus ragten um bei Bauchlandungen die Beschädigungsgefahr für Tragfläche und Rumpfunterseite zu reduzieren. Bei der Ao 192 V2 waren die Räder innen zum Rumpf hin angebracht und fuhren vollständig in die Motorgondeln ein. Das Hauptfahrwerk verfügte über eine Parkbremse, die mit einer Ruderfeststellung kombiniert war. Das Spornrad mit einer Niederdruckbereifung 290 x 110 mm fuhr ebenfalls komplett in das Rumpfheck ein, während es bei der Ao 192 V1 noch starr angebracht war. Das Heckrad war um 45° lenkbar.
AGO Ao 192 V1 Der Kurier (Archiv: Eberhard Kranz)
Erprobung der AGO Ao 192 Der Kurier
Der erste Prototyp mit der zivilen Kennung D-OAGO startete am 18. Juli 1935 zu seinem Erstflug, dicht gefolgt vom zweiten Prototyp mit der Kennung D-OCTB am 3. August 1935. Während der Flugerprobung zeigten die Maschinen hervorragende Flugeigenschaften, nur hohe Anbringung des Höhenleitwerks und dessen Abstrebung erzeugten Schwingungen und starke Verwirbelungen, so daß das Höhenleitwerk bei den Serienmaschinen tiefer gelegt und am Rumpfheck angebracht werden sollte. Dadurch konnten die bisherigen I-Stiele entfallen. Schließlich führte man diese Änderungen auch an den beiden ersten Prototypen durch. Aus fertigungstechnischen Gründen erhielten die Höhenflossen gerade Vorderkanten. Das Seitenleitwerk wurde geringfügig vergrößert. Als Serienausführung sollte die Ao 192 B gebaut werden. Als letzter Prototyp wurde Ao 192 V3 (zivile Kennung D-ODAF) gebaut, die alle oben genannten Änderungen besaß und das gleichzeitig das erste Nullserienmuster darstellte. Da die AGO Werke durch den Serienbau der Messerschmitt Bf 109 D und später E aber völlig ausgelastet waren, lief der Serienbau der Ao 192 nur sehr schleppend an. Bis zum Kriegsbeginn am 1. September 1939 waren neben den drei Prototypen lediglich sechs Serienmaschinen gebaut worden. Mit Kriegsbeginn wurde die weitere Fertigung der Ao 192 eingestellt, die vorhandenen Maschinen wurden als Stabsreiseflugzeuge bei verschiedenen Luftflotten eingesetzt. Der erste Prototyp Ao 192 V2 nahm 1935 am Deutschlandflug mit der Startnummer 6 teil. 1938 beteiligte sich AGO mit der Ao 192 V1 ebenfalls am Luftrennen in Frankfurt Rebstock. International nahm die Ao 192 V2 am Luftrennen um die Isle of Man vom 4. - 7. Juni 1938 teil und erreichte im Teilnehmerfeld von über fünfzig Maschinen den siebenten Platz.
AGO Ao 192 B Der Kurier (Archiv: Eberhard Kranz)
Technische Daten: AGO Ao 192 Der Kurier
Land: Deutschland
Verwendung: Reise- und Verkehrsflugzeug
Triebwerk: zwei luftgekühlte 8-Zylinder-Reihenmotore Argus As 10 E mit verstellbarem Zweiblatt-Holz-Propeller ?Argus?
Startleistung: je 270 PS (198 kW)
Dauerleistung: je 210 PS in 3.000 m (154 kW)
Besatzung: 2 Mann (1 Flugzeugführer und 1 Funker)
Passagiere: 6 Personen
Erstflug: 18. Juli 1935
Spannweite: 13,54 m
Länge: 10,98 m
größte Höhe: 3,64 m
Kabinenvolumen: 3,10 m³
Gepäckraum: 1,47 m³
Wurzeltiefe: 2,37 m
mittlere Flächentiefe: 2,15 m
Flügelfläche: 25,04 m²
Landeklappen: 3,62 m²
Querruder: 2,24 m²
Höhenleitwerk: 5,18 m²
Seitenleitwerk: 2,39 m²
V-Stellung: 7,6°
Pfeilform: innen 4,8° außen 15,6°
Flügelstreckung: 7,32
Spurweite: 3,08 m
Propellerdurchmesser: 2,30 m
Propellerfläche: 4,15 m²
Leermasse: 1.640 kg
Startmasse normal: 2.860 kg
Startmasse maximal: 2.960 kg
Nutzlast: 1.035 kg
Kraftstoff: 410 Liter
Schmierstoff: 38 Liter
Flächenbelastung: 118,11 kg/m²
Leistungsbelastung: 5,48 kg/PS (7,45 kg/kW)
Höchstgeschwindigkeit in Bodennähe: 305 km/h
Höchstgeschwindigkeit in 3.000 m: 330 km/h
Reisegeschwindigkeit in 3.000m: 285 km/h
Landegeschwindigkeit: 90 km/h
Gipfelhöhe: 5.200 m
Steigleistung: 5,2 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 3,25 min
Steigzeit auf 2.000 m: 7,25 min
Steigzeit auf 4.000 m: 20,0 min
Reichweite normal: 990 km
Reichweite maximal: 1.100 km
maximale Flugdauer: 4 h
Startstrecke: 275 m
Landestrecke: 235 m
Text: Eberhard Kranz

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