Autor: rk

Boeing 777F Freighter

Boeing 777F Freighter
Entwicklungsgeschichte
Am 23. Mai 2005 gab Boeing die Entwicklung einer auf der 777-200LR basierenden Frachtversion, der 777F (Freighter), offiziell bekannt, die maximal 103.000 kg Nutzlast über 9.600 km befördern kann. Die bei vielen Cargo Airlines eingesetzten Boeing 747-200F und 747-400F bereiten durch den hohen Verbrauch ihrer vier Triebwerke bei steigenden Treibstoffpreisen wirtschaftliche Probleme. Man darf auch nicht vergessen, dass die Grundkonstruktion der 747-200F unverändert von der 747-200 übernommen wurde, und die ist mittlerweile vor über 40 Jahren entstanden. Die 747-400F ist zwar eine Ableitung aus der moderneren 747-400, die 747-400 wurde aber ebenfalls direkt aus der 747-200 abgeleitet. Deshalb ist die Nachfrage nach einem wirtschaftlichen zweimotorigen Frachter großer Kapazität und Reichweite groß. Als Ausgangsmodell für die Entwicklung der 777F nahm man bei Boeing die 777-200LR. Der Rumpf wurde bei gleichen Abmaßen für die Verwendung als Frachtflugzeug modifiziert. Es gibt keine Passagierfenster mehr und die Innenverkleidung besteht aus Glasfiberelementen. Zum wirtschaftlichen Be- und Entladen wurde eine große Ladeluke von 3,61 m x 3,05 m auf der linken hinteren Rumpfseite eingebaut, durch die bequem die Standardpaletten oder -Container geladen werden können. Das Hauptdeck bietet durch seinen Rollenboden und das bordeigene Transportsystem die Möglichkeit, die Paletten dann bequem zu positionieren. Zwischen Flugdeck und Frachtraum ist eine stabile Trennwand zum Schutz des Flugdecks eingebaut. Durch zwei Schiebetüren kann die Besatzung vom Flugdeck aus jederzeit den Laderaum betreten. Durch je eine Außentür auf beiden Rumpfseiten betritt die Besatzung einen Vorraum zum Flugdeck, der auch als Ruheraum dient und über vier Business Class Sitze für Frachtbegleiter und zwei Klappsitze, eine Küche und ein WC, sowie persönliche Fächer und Rettungs- und Sicherheitsausrüstungen verfügt. Die vier Business Class Sitze können gegen 9 Sitze der Standardklasse ausgetauscht werden, wenn mehr Frachtbegleiter, wie beim Transport von Pferden oder anderen Tieren, notwendig werden. Der untere Frachtraum mit einer Höhe von 1,58 m bietet zusätzlich die Möglichkeit 10 weitere Standardpaletten zu laden und zusätzlich noch bis zu 17 m³ Großfracht zu transportieren. Die Beladung erfolgt durch die unteren drei Ladeluken auf der rechten Rumpfseite. Zwei Luken haben die gleiche Größe von 2,69 m x 1,70 m, die dritte ist für die Beladung mit Stückgut vorgesehen und misst 0,89 m x 1,19 m. Die Ladekapazität beträgt im Hauptdeck 27 Standardcontainer oder Paletten mit den Grundmaßen von 2,44 m x 3,175 m. Davon haben 22 Konturcontainer eine Höhe von 3.0 m, 4 Konturcontainer eine Höhe von 2,95 m und einer, der nicht als Konturcontainer ausgelegt ist, eine Höhe von 2,44 m. Die Container entsprechen denen bei der 747-200F und 747-400F verwendeten und können somit problemlos auf die 777F umgeladen werden. Das Unterdeck kann mit 10 Container oder Paletten von 2,44m x 3,175 m und einer Höhe von 1,48 m beladen werden. Das Volumen des Hauptdecks beträgt 518 m³ und das Unterdeck hat ein Volumen von 134,5 m³. Die maximale Nutzlast pro Kubikmeter beträgt 159 kg, was eine Gesamtnutzlast von 103.900 kg ergibt.
Konstruktionsmerkmale der Boeing 777F
Die technische Ausstattung des Flugdecks entspricht der 777-200LR Ausrüstung, wie Fly-by-wire-Steuerung und entsprechender Avionik. Die Tragflächen entsprechen der Boeing 777-300ER, wobei die Tragflächenenden als ?Raked Wingtips? ausgebildet sind. Das Hauptfahrwerk kommt ebenfalls von der 777-300ER und wurde zusammen von Measco und Messier-Bugatti entwickelt. Die Hauptfahrwerksräder verfügen über Honeywell Carbenix 4000 Bremsen, die in wechselnden Dreierradgruppen arbeiten, um den Verschleiß zu minimieren. Als Triebwerke werden mit den General Electric GE90-110B1L, die momentan zu den leistungsstärksten zivilen Turbofan-Triebwerke zählen, verwendet. Das Tankvolumen entspricht dem der 777-300ER.
Boeing 777F Flugtestprogramm und Einführung bei den Airlines
Die erste Bestellung über fünf Maschinen und einer Option über drei weitere erteilte am 23.Mai 2005 Air France. Am 21.Mai 2008 rollte die erste 777F aus der Montagehalle in Everett und wurde der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach Abschluss der Bodentests startete die Maschine am 14.Juli 2008 zu ihrem 2 Stunden dauernden Erstflug. Am 06.Februar 2009 erfolgte die Typzulassung durch die FAA und die EASA. Bereits am 19. Februar 2009 erfolgte dann die offizielle Übergabe an den Erstkunden Air France. Inzwischen hatte Boeing 78 feste Aufträge für die 777F erhalten, darunter 15 Maschinen von FedEx, die gleichzeitig ihre Bestellung von 10 A380-880F wegen der Lieferverzögerung stornierten. Im Januar 2009 bestellte FedEx nochmals 15 777F und gab eine Option auf weitere 15 Maschinen ab. Die neue Luftfrachtgesellschaft AeroLogistic, ein Joint Venture von Lufthansa Cargo und DHL Express, hat 11 777F bestellt, die von Leipzig aus operiert werden. Am 14.Mai 2009 ist die erste Maschine mit der Kennung D-AALA in Leipzig eingetroffen. Weitere Bestellungen erfolgten von Emirates über acht, Korean Air über fünf und Qatar über sieben Maschinen. Die 777F stellt momentan in Bezug auf Wirtschaftlichkeit und damit niedrigste Kosten pro Tonnenkilometer die beste Lösung bei den Frachtflugzeugen dar. Im Vergleich zur 747-200F legen die Betriebskosten um 22 Prozent niedriger und im Vergleich zur moderneren 747-400F immer noch um 18 Prozentpunkten, bei nahezu gleicher Nutzlast. Im Verhältnis zu den momentan noch im Einsatz befindlichen Frachtern MD-11F oder DC-10-30F schneidet die 777F noch besser ab. Zwar bietet Boeing von der ?Next Generation? 747-8 ebenfalls eine Frachtversion, die 747-8F, an, für die auch schon 78 Bestellungen vorliegen, doch vor 2010 ist nicht mit der Auslieferung der ersten Maschinen zu rechnen. Diese Maschine wird 134.000 kg Nutzlast befördern können, ist aber auch um 5,60 m länger als die 747-400F.
Boeing 777F (Bild: Boeing)
Technische Daten: Boeing 777F
Land: USA
Verwendung: Langstrecken-Frachtflugzeug
Triebwerk: zwei Zweikreis-Turbinen-Luftstrahltriebwerke General Electric GE 90-110B1L
Startleistung: je 49.850 kp Schub (489,0 kN)
Dauerleistung: je 42.180 kp Schub (13,8 kN) in 10.600 m
Besatzung: 2 Mann und bis zu 11 Frachtbegleiter
Erstflug: 14. Juli 2008
Spannweite: 64,80 m
Spannweite des Höhenleitwerks: 21,54 m
Länge: 63,70 m
Größte Höhe: 18,50 m
Rumpfdurchmesser: 6,19 m
Frachtraumlänge: 52,40 m
Frachtraumbreite: 5,86 m
Frachtraumhöhe Hauptfrachtraum: 3,05 m
Frachtraumhöhe unterer Frachtraum: 1,59 m
Hauptfrachtraum: 518,0 m³
Unterer Frachtraum: 134,50 m³
Spurweite: 10,97 m
Radstand: 25,88 m
Flügelfläche: 427,80 m²
V-Form:
Pfeilung der Flügelvorderkante: 31,6°
Streckung: 9,82
Leermasse: 148.180 kg
Startmasse normal: 338.950 kg
Startmasse maximal: 347.450 kg
Landegewicht maximal: 244.680 kg
Tankinhalt: 181.280 Liter
Nutzlast: maximal 103.900 kg
Flächenbelastung: 812,18 kg/m²
Leistungsbelastung: 3,48 kg/kp Schub
Höchstgeschwindigkeit: Vmo 330 kts, Mmo 0,87
Höchstgeschwindigkeit in 10.600 m: 955 km/h
Reisegeschwindigkeit in 10.600 m: 902 km/h
Wirtschaftlichste Reisegeschwindigkeit in 10.670 m: 862 km/h
Startgeschwindigkeit: 308 km/h
Landegeschwindigkeit: 278 km/h
Gipfelhöhe: 13.140 m
Reiseflughöhe normal: 11.060 m
Reiseflughöhe maximal: 12.300 m
Steigleistung: 15,4 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 1,3 min
Steigzeit auf 5.000 m: 8,5 min
Steigzeit auf 10.000 m: 21,0 min
Reichweite normal: 9.045 km
Reichweite maximal: 9.750 km
Flugdauer: 16,0 h
Startrollstrecke: 2.990 m
Landerollstrecke: 1.790 m (Flaps 25°)
Text und Daten von Eberhard Kranz

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