Autor: rk

Boeing Business Jet BBJ

Boeing Business Jet BBJ
Schon gegen Ende der 1980iger Jahre war bei Boeing die Idee eines luxuriösen Geschäftsreiseflugzeuges diskutiert worden. Als Ausgangmodell wollte man die 737-300 verwenden und zu der Version 737-33 weiter entwickeln. Das Projekt war schon weit fortgeschritten, angeblich hatte man auch schon Bestellungen für dieses Modell erhalten, als die Entwicklung der Boeing ?Next Generation? die Pläne beendeten, die 737-300 als Ausgangsmodell zu verwenden. Da von verschiedenen Regierungen und Privatleuten Anfragen nach einem VIP-Transporter auf der Basis der 737 vorlagen, wollte man das entsprechende Projekt jetzt mit dem neuen Ausgangsmodell 737-700 fortführen. Dazu gründete die Boeing Commercial Airplanes zusammen mit General Electric als Jointventure die Boeing Buisiness Jet Corporation mit Sitz in Chicago. Die Fertigung und Montage der Flugzeuge erfolgt im Werk Renton, wo die Boeing Verkehrsflugzeuge gebaut werden. Als Ausgangsbasis für den BBJ nahm man den Rumpf der 737-700 und die verstärkten und modifizierten Tragflächen und das ebenfalls verstärkte Fahrwerk der 737-800. Durch den Einbau von bis zu neun zusätzlichen Tanks (Auxilary Fuel Tanks) wird eine Reichweite bis zu 11.500 km möglich. Serienmäßig erhalten alle BBJ die großen Winglets. Die Maschinen werden flugfähig, aber ohne Kabinenausbau ab Renton ausgeliefert. Der Kabinenausbau erfolgt nach den individuellen Wünschen des Betreibers und wird von dafür spezialisierten Firmen, wie der Lufthansa Technik AG in ihrem Hamburg Completion Center oder der Jet Aviation AG in Basel, die seit September 2008 zu General Dynamics gehört, durchgeführt. Dabei ist fast alles möglich, vom luxuriösen Badezimmer mit vergoldeten Armaturen zum edel möblierten Schlafzimmer und Salon mit modernster Unterhaltungselektronik, Konferenzraum und Gourmetküche. Die Entwicklung des BBJ wurde von Boeing am 2.Juli 1996 offiziell bekannt gegeben, nachdem verschiedene Aufträge von Regierungen und Privatpersonen eingegangen waren, zum Beispiel aus Argentinien, Australien, Indien, Abu Dhabi, Südafrika und Katar. Die US Navy bestellte ebenfalls 9 BBJ, welche die offizielle Bezeichnung C-40A Clipper erhielten, während die vier VIP-Transporter der US Air Force als C-40B und die sechs Businessjets als C-40C bezeichnet werden. Am 11.August 1998 erfolgte der offizielle Roll-out in Renton und am 4.September 1998 hob der BBJ zum Erstflug ab.
Modellpflege beim BBJ
Nach dem erfolgreichen Einsatz der ersten Exemplare kamen Kundenanfragen nach den Möglichkeiten auch auf Basis der größeren 737-800 und 737-900ER BBJ zu entwickeln. Bei Boeing begann man, nachdem erste Bestellungen vorlagen, offiziell am 11. Oktober 1999 mit der Entwicklung des BBJ 2 auf der Basis der 737-800. Durch den 5,84 m längeren Rumpf vergrößert sich das Kabinenvolumen im Vergleich zum ursprünglichen BBJ, der nun BBJ 1heißt, um fast 25% und das Frachtvolumen verdoppelt sich sogar. Der BBJ 2 verfügt ebenfalls über bis zu acht Zusatztanks, deren genaue Anzahl vom Kunden festgelegt wird, und Winglets. Der erste BBJ 2 rollte am 6.Februar 2001 aus der Montagehalle in Renton und startete am 28.Februar 2001 zu seinem Erstflug. Anlässlich seines zehnjährigen Bestehens gab Boeing Business Jet am 16.Oktober 2006 auf der NBAAC&E (National Business Aviation Association Convention and Exhibition) in Orlando die Entwicklung des Modells BBJ 3 bekannt, das auf Basis der 737-900ER entsteht, nachdem zwei Bestellungen dafür erfolgt waren. Der BBJ 3 ist durch die Rumpflänge von 42,12 m, das größte Modell der BBJ Familie. Er verfügt über eine Kabinengrundfläche von 104 m², was 11% mehr gegenüber dem BBJ 2 und 35% mehr gegenüber dem BBJ 1 bedeutet. Durch die Ausrüstung mit bis zu acht zusätzlichen Tanks kann eine maximale Reichweite von 10.140 km erreicht werden. Bis Ende Juni 2009 waren bei Boeing folgende Aufträge eingegangen: 106 BBJ 1, 24 BBJ 2 und 4 BBJ 3. Die Anzahl der davon gelieferten Maschinen ist nicht bekannt. Auf der Ebace 2009 in Genf hat Boeing am 12.Mai 2009 die C-Version (Convertible) der BBJ Familie vorgestellt. Binnen acht Stunden läßt sich das noble Interieur komplett entfernen und so die Maschine zum Frachter umbauen. Großes Interesse an dieser Version erhofft sich Boeing bei Regierungsflugzeugen, die dann auch bei Hilfsflügen oder anderen Transporteinsätzen verwendet werden können. Übrigens kann man in Deutschland mindestens eine BBJ 1 mieten. Das Flugzeug bietet Platz für 44 Personen in luxuriösem Ambiente mit großzügigen Kabinen, Bad, Salon und Gourmetküche. Der stündliche Mietpreis beträgt 19.000 Euro.
Boeing BBJ (Foto: Boeing)
Technische Daten: Boeing BBJ-2
Land: USA
Verwendung: Langstrecken-Geschäftsflugzeug
Triebwerk: zwei Zweikreis-Turbinen-Luftstrahltriebwerke CFM56-7B24
Startleistung: je 10.886 kp Schub (106,75 kN)
Dauerleistung: je 8.256 kp Schub in 9.200 m (97,9 kN)
Besatzung: 2 Mann
Passagiere: je nach Kabinenausstattungswunsch des Kunden zwischen 20 und 80 Passierplätze
Erstflug: 4.September 1998
Spannweite: 34,32 m
Spannweite mit Winglets: 35,79 m
Spannweite des Höhenleitwerks: 14,30 m
Länge: 39,48 m
größte Höhe: 12,57 m
Rumpfdurchmesser: 3,76 m
Kabinenlänge: 26,60 m
Kabinenbreite: 3,40 m
Kabinenhöhe: 2,13 m
Spurweite: 5,23 m
Radstand: 17,64 m
Flügelfläche: 124,60 m²
V-Form: 5,5°
Pfeilung der Flügelvorderkante: 25°
Streckung: 9,44
Leermasse: 36.610 kg
Startmasse normal: 72.550 kg
Startmasse maximal: 80.130 kg
Landegewicht maximal: 66.360 kg
Tankinhalt: 36.660 Liter
Nutzlast: 16.940 kg
Flächenbelastung: 643,10 kg/m²
Leistungsbelastung: 3,68 kg/kp Schub
Höchstgeschwindigkeit: Vmo 340 kts, Mmo 0,82
Höchstgeschwindigkeit in 9.580 m: 920 km/h
Reisegeschwindigkeit in 9.580 m: 870 km/h
Wirtschaftlichste Reisegeschwindigkeit in 10.670 m: 830 km/h
Startgeschwindigkeit: 264 km/h
Landegeschwindigkeit: 242 km/h
Gipfelhöhe: 12.500 m
Reiseflughöhe normal: 10.700 m
Reiseflughöhe maximal: 11.300 m
Steigleistung: 15,0 m/s
Steigzeit auf 1.000 m: 1,5 min
Steigzeit auf 5.000 m: 9,0 min
Steigzeit auf 10.000 m: 20,5 min
Reichweite normal: 7.870 km
Reichweite maximal: 10.240 km
Flugdauer: 14,0 h
Startrollstrecke: 2.920 m
Landerollstrecke mit 30° Flaps: 1.460 m
Landerollstrecke mit 40° Flaps: 1.420 m
Text und Daten: Eberhard Kranz

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